Einführung
Das Languedoc ist derjenige Teil Südfrankreichs, dem seine berühmten Nachbarn — die Provence im Osten, das Baskenland und die Pyrenäen im Westen — die Aufmerksamkeit vorwegnehmen. Wer „Südfrankreich” sagt, meint die Provence oder die Côte d’Azur. Das Languedoc bleibt meistens unerwähnt, und das hat Gründe: es hat kein signature-Klischee, keine Lavendelfelder, keine Strandpromenade, keine Hauptstadt, die sich zur Postkarte eignet. Was es hat, ist eine mittelalterliche Geschichte, die eine der brutalsten in Europa war, und eine Landschaft, die diese Geschichte in Form von Ruinen bewahrt hat, statt sie in Museen zu verstauen.
Diese Rundfahrt ist für sechs Tage ausgelegt und folgt einem historischen Bogen: von der römischen Zeit (Pont du Gard, Nîmes) über das mittelalterliche Languedoc (Carcassonne, die Cathar-Burgen) bis zum frühneuzeitlichen Handelsnetz (Canal du Midi, Sète). 480 Kilometer, keine Autobahnhöllen, und eine Konzentration auf die innere Hälfte der Region statt auf die Küste. Wir haben sie zuerst im April 2025 gefahren und im Herbst desselben Jahres noch einmal, um die Jahreszeiten zu vergleichen. Unser Eindruck: der Frühling ist marginal schöner, der Herbst weniger besucht.
Der Ausgangspunkt ist Montpellier — ein Flughafen, der in vielen Mietwagen-Vergleichen unter dem Radar läuft, weil er klein ist und weil die meisten deutschen Reisenden Marseille oder Nizza ansteuern. Genau das macht ihn interessant¹. Die Tarife sind niedriger, die Wartezeiten kürzer, und die Fahrt aus dem Terminal zum ersten Ziel (Pont du Gard) ist eine Stunde lang ohne Navigationsstress.
Wer dem Languedoc eine Chance gibt, wird feststellen, dass es eine der wenigen Regionen Frankreichs ist, in denen Touristen noch nicht die Normalität bestimmen. Außerhalb von Carcassonne — das in dieser Hinsicht eine Ausnahme darstellt — gibt es weite Strecken, auf denen man keinem anderen deutschen Kennzeichen begegnet, und Dörfer, in denen die Bäckerei um 12 Uhr schließt, nicht weil sie unhöflich wäre, sondern weil um 12 Uhr Mittag ist und eine Bäckerei etwas mit Broten zu tun hat, nicht mit Kundenverkehr. Das ist ein anderer Modus von Südfrankreich, und er braucht eine Weile, bis man ihn verstanden hat.
§2 — Mietwagen abholen
Montpellier Méditerranée ist ein überschaubarer Airport, und die Abholung läuft in fünfzehn Minuten ab, wenn die Papiere stimmen. Der Rental-Parkplatz ist fünf Gehminuten vom Terminal entfernt, ein kleiner Weg über einen Fußgängerüberweg und durch ein offenes Parkhaus. Keine Shuttles, keine verlorenen Minuten in langen Warteschlangen. Wer vor dem Mittag ankommt, ist um 13 Uhr auf der A9 Richtung Nîmes.
Der erste Hinweis¹ betrifft die Fahrzeugklasse. „Kompaktklasse” in Montpellier bedeutet regelmäßig einen Renault Clio, einen Peugeot 208 oder ähnliches. Das reicht für zwei Personen mit Gepäck, wird aber bei drei Reisenden eng. Für diese Rundfahrt, die keine besonderen Anforderungen an das Fahrzeug stellt (kein Schotter, keine Bergetappen), ist Kompaktklasse die richtige Wahl.
Der zweite Hinweis betrifft die Versicherung. Die Straßen dieser Rundfahrt sind asphaltiert, aber die Parkplätze an den Cathar-Burgen haben lose Steine, und der Weg zum Pont du Gard verlangt Rückwärtsfahren in engen Nischen. Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ist unser Standard-Rat; bei Localrent liegt der Aufpreis dafür je nach Anbieter bei 9–13 € pro Tag.
Der dritte Hinweis betrifft die Rückgabe. Der Flughafen MPL hat keine 24-Stunden-Abgabe; wer den Wagen außerhalb der Öffnungszeiten abgeben muss, bekommt meistens ein Schlüsselkasten-Verfahren, bei dem der Wagen ohne Prüfung zurückgenommen wird. Das klingt bequem, ist es aber nicht: Schäden, die bei der ersten Prüfung am nächsten Morgen entdeckt werden, werden dem letzten Mieter zugeschrieben. Wir empfehlen, die Rückgabe zu regulären Öffnungszeiten einzuplanen und eine Fotoaufnahme von Tacho, Tankfüllstand und Karosserie zu machen.⁵