Einführung
Italien ist für den mitteleuropäischen Mietwagen-Reisenden kein Land, es ist vier. Vier Landschaftsräume, die geografisch dasselbe Staatsgebilde teilen, sich aber in Klima, Strassennetz, Dialekt und Temperament voneinander unterscheiden wie Österreich von Andalusien. Wer den Fehler begeht, “Italien in zehn Tagen” zu planen, kehrt zurück mit dem Gefühl, an allen vier Orten nur kurz anwesend gewesen zu sein. Deshalb haben wir den Band nicht als Rundreise durch das ganze Land angelegt, sondern als vier unabhängige Kapitel, von denen jedes für sich ein vollständiger Urlaub sein kann.
Die Wahl, welches Kapitel zu welcher Reise passt, hängt weniger von persönlichem Geschmack ab, als viele denken, und mehr vom Kalender. Die Toskana ist im Mai und im September ein anderes Land als im August; die Dolomitenpässe öffnen erst Mitte Juni und schliessen wieder im Oktober; Sizilien ist in der Hitze des Hochsommers so wenig zu empfehlen wie die Amalfiküste im winterlich-nassen November. Wer die Saison falsch legt, kann mit dem klügsten Routenplan die Reise ruinieren. Die Saison-Tabelle weiter unten ist deshalb nicht dekorativ, sondern die wichtigste Einzelinformation dieses Bandes.
Italien belohnt langsames Reisen wie kein zweites Land in Europa. Drei Übernachtungen in einem toskanischen Agriturismo, von dem aus man die umliegenden Orte zu Fuss oder mit kurzen Tagestouren erkundet, sind jeder Form von eilig abgehakter Städteliste überlegen — und sie sind auch günstiger, weil die Sockelpreise eines guten Agriturismo bei drei Nächten regelmässig um 10 – 15 % sinken. Wir haben diesen Grundsatz in jedes der vier Kapitel eingebaut: maximal zwei bis drei Basislager pro Woche, keine täglichen Hotelwechsel, und lieber eine zusätzliche Nacht an einem Ort als ein weiterer Bergpass auf der Liste.
Die Mietwagen-Infrastruktur ist in Italien solide, aber nicht gleichmässig. Florenz, Neapel, Verona und Catania sind die vier Stationen, auf die sich dieser Band stützt; sie decken die vier Regionen ab, liegen alle nahe genug am jeweiligen Startpunkt, um nicht den ersten halben Tag mit Zubringerfahrten zu verbrauchen, und bieten über Localrent neben den grossen Ketten auch lokale Anbieter, die häufig günstiger und kulanter sind. Die Details zu jeder Station finden Sie in der Tabelle weiter unten; zu den spezifischen Fallen — der ZTL in Florenz, dem Stadtverkehr in Neapel, den One-Way-Zuschlägen in Sizilien — schreiben wir in jedem Kapitel noch einmal ausführlich.
Ein Wort zu den Kosten: Die Budget-Tabellen der vier Kapitel basieren auf Mittelwerten für zwei Personen in Agriturismi und kleineren Hotels, nicht in Luxushäusern und nicht in Hostels. Wer deutlich darunter bleiben möchte, schafft das über kürzere Aufenthalte und über die Nebensaison. Wer darüber hinausgehen möchte, findet in jeder Region mühelos Häuser, die das gesamte Reisebudget allein verschlingen. Wir empfehlen die Mitte, weil sie die ehrlichste Antwort auf die Frage ist, wie ein Italien-Urlaub mit Mietwagen tatsächlich ausgegeben wird.
Die vier Kapitel dieses Bandes führen Sie, in empfohlener Lesereihenfolge, von der Toskana an die Amalfiküste, weiter in die Dolomiten und zuletzt nach Sizilien. Sie können jedes auch einzeln lesen und einzeln fahren — und genau dazu raten wir.