Einführung
Frankreich als Mietwagen-Land ist ein Missverständnis, das sich über ein halbes Jahrhundert gehalten hat. Die Deutschen, so geht die Erzählung, fahren im eigenen Wagen über die Vogesen ins Elsass, weiter nach Burgund, und kommen irgendwo bei Lyon an, wo der Süden anfängt. Das ist nicht falsch — es ist nur die falsche Geschichte, wenn man nicht drei Wochen Zeit hat.
Wer nur zehn Tage hat, fliegt. Und wer fliegt, landet entweder in Nizza oder in Montpellier. Beide Flughäfen sind klein genug, um die Schlüsselübergabe nicht zu einer Zumutung werden zu lassen, und beide öffnen die Tür zu einem Südfrankreich, das von hier aus eine eigene Republik sein könnte — mit eigenem Licht, eigenem Wind, eigenen Tempolimits, die sich niemand merkt.
Dies ist der zweite Band unserer Reisebibliothek, und er enthält absichtlich nur zwei Kapitel. Die Versuchung, Südfrankreich in sieben Tagen abzufahren, ist groß. Wir haben es versucht — einmal im Juni 2024, auf Bitten eines Verlegers, der eine knappe Übersicht wollte — und sind zu dem Schluss gekommen, dass man dabei keinem der beiden Landstriche gerecht wird. Die Provence und das Languedoc sind Nachbarn wie zwei Häuser an derselben Straße: nah genug, um die Vorhänge des anderen zu sehen, aber mit verschiedenen Türen, verschiedenen Tischen und verschiedenen Gesprächen, die man nicht in einem Abend führt.
Kapitel I führt von Nizza über die Côte d’Azur, durch die Provence und die Gorges du Verdon zurück — jener Teil Frankreichs, den auch die Franzosen für eine Art Kulisse halten, bis sie dort selbst zu stehen kommen. Kapitel II fährt von Montpellier nach Westen, an Pont du Gard vorbei, nach Carcassonne und in die Cathar-Burgen, jene ketzerischen Trutzburgen, die heute Ruinen sind, weil man im 13. Jahrhundert mit einer theologischen Meinungsverschiedenheit nicht anders umzugehen wusste.
Beide Routen sind Rundfahrten. Beide beginnen und enden am selben Flughafen. Beide sind so geschrieben, dass man sie im Oktober fahren kann, wenn der Süden still wird und die Restaurants wieder den Einheimischen gehören. Wer mehr will, nimmt ein Kapitel aus Band III — Spanien ist von Montpellier aus eine gute Tagesfahrt entfernt¹ — und macht aus zwei Wochen einen Bogen, der tatsächlich funktioniert.
Alles, was hier zu Preisen, Stationen und Saisonangaben steht, ist im April 2026 neu kollationiert worden³. Sollten Sie bei der Fahrt Abweichungen feststellen — ein geschlossenes Restaurant, ein verschobenes Péage-Tarif, eine aufgelassene Tankstelle — schreiben Sie der Redaktion. Wir korrigieren vor der nächsten Auflage.