Reisebibliothek · Ausgabe MMXXVI
Band II · Frankreich
II · Band
Reisebibliothek · Der europäische Süden
Band II

Frankreich

Von der Côte d'Azur bis zu den Cathar-Burgen — zwei Kapitel durch jenes Südfrankreich, das man nicht in einem Stück lesen sollte.

Ich habe nichts gegen die schöne Aussicht, aber ich verlange, dass man mir Zeit lässt, sie zu vergessen.

Stendhal, Mémoires d'un touriste, 1838

Einführung

Frankreich als Mietwagen-Land ist ein Missverständnis, das sich über ein halbes Jahrhundert gehalten hat. Die Deutschen, so geht die Erzählung, fahren im eigenen Wagen über die Vogesen ins Elsass, weiter nach Burgund, und kommen irgendwo bei Lyon an, wo der Süden anfängt. Das ist nicht falsch — es ist nur die falsche Geschichte, wenn man nicht drei Wochen Zeit hat.

Wer nur zehn Tage hat, fliegt. Und wer fliegt, landet entweder in Nizza oder in Montpellier. Beide Flughäfen sind klein genug, um die Schlüsselübergabe nicht zu einer Zumutung werden zu lassen, und beide öffnen die Tür zu einem Südfrankreich, das von hier aus eine eigene Republik sein könnte — mit eigenem Licht, eigenem Wind, eigenen Tempolimits, die sich niemand merkt.

Dies ist der zweite Band unserer Reisebibliothek, und er enthält absichtlich nur zwei Kapitel. Die Versuchung, Südfrankreich in sieben Tagen abzufahren, ist groß. Wir haben es versucht — einmal im Juni 2024, auf Bitten eines Verlegers, der eine knappe Übersicht wollte — und sind zu dem Schluss gekommen, dass man dabei keinem der beiden Landstriche gerecht wird. Die Provence und das Languedoc sind Nachbarn wie zwei Häuser an derselben Straße: nah genug, um die Vorhänge des anderen zu sehen, aber mit verschiedenen Türen, verschiedenen Tischen und verschiedenen Gesprächen, die man nicht in einem Abend führt.

Kapitel I führt von Nizza über die Côte d’Azur, durch die Provence und die Gorges du Verdon zurück — jener Teil Frankreichs, den auch die Franzosen für eine Art Kulisse halten, bis sie dort selbst zu stehen kommen. Kapitel II fährt von Montpellier nach Westen, an Pont du Gard vorbei, nach Carcassonne und in die Cathar-Burgen, jene ketzerischen Trutzburgen, die heute Ruinen sind, weil man im 13. Jahrhundert mit einer theologischen Meinungsverschiedenheit nicht anders umzugehen wusste.

Beide Routen sind Rundfahrten. Beide beginnen und enden am selben Flughafen. Beide sind so geschrieben, dass man sie im Oktober fahren kann, wenn der Süden still wird und die Restaurants wieder den Einheimischen gehören. Wer mehr will, nimmt ein Kapitel aus Band III — Spanien ist von Montpellier aus eine gute Tagesfahrt entfernt¹ — und macht aus zwei Wochen einen Bogen, der tatsächlich funktioniert.


Alles, was hier zu Preisen, Stationen und Saisonangaben steht, ist im April 2026 neu kollationiert worden³. Sollten Sie bei der Fahrt Abweichungen feststellen — ein geschlossenes Restaurant, ein verschobenes Péage-Tarif, eine aufgelassene Tankstelle — schreiben Sie der Redaktion. Wir korrigieren vor der nächsten Auflage.

Abschnitt § 3 · Die Stationen S. 018

Mietwagen-Stationen
des Bandes

Die Abholstation entscheidet über den Charakter der Reise. Wir geben zu jedem Kapitel eine primäre Station an — und, wenn sich der Umweg lohnt, die bessere Alternative.

Station Warum hier Vorsicht Ab-Preis
Nizza Côte d'Azur (NCE) Zweitgrößter Airport des Landes, dichte Anbieter-Landschaft, unmittelbarer Zugang zur A8 Richtung Westen Airport-Surcharge von 12–18 % ist hier Standard — manche Anbieter weisen ihn erst an der Theke aus. Vor Abholung den voraussichtlichen Endpreis nachrechnen. ab 34 €/Tag
Montpellier Méditerranée (MPL) Kompakter Airport mit kurzen Wegen, günstigere Tarife als Marseille, bester Startpunkt für Languedoc und die Cathar-Region Shuttle zum Rental-Parkplatz fährt nur alle 20 Minuten — nach Mitternacht-Flügen einplanen. Kein 24-Stunden-Schalter bei kleineren Anbietern. ab 28 €/Tag
Abschnitt § 4 · Saisontafel S. 022

Beste Reisezeit
pro Region

Region
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Provence & Côte d'Azur
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Languedoc & Cévennen
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■ ausgezeichnet  ·  ▲ gut  ·  ° möglich  ·  · nicht empfohlen

Péage — das Autobahnnetz

Frankreichs Autoroutes sind fast durchweg gebührenpflichtig. Rechnen Sie mit 9–11 € pro 100 km auf den Hauptachsen. Telepéage-Spuren („t“-Symbol, orange) funktionieren nur mit Transponder — Mietwagen fahren die klassische Schranke mit Karte oder Bargeld. EC-Karten werden nicht überall akzeptiert; eine Kreditkarte ist Pflicht.

Parken in Altstädten

In Aix, Avignon, Montpellier und Nizza gelten Umweltzonen (Crit'Air). Der Mietwagen hat die Plakette in der Regel an der Windschutzscheibe — prüfen Sie das bei Abholung. Blaue Bodenmarkierung = gebührenpflichtig, weiße = frei (außer sonntags, wo fast überall frei). Parkhäuser in Altstädten kosten 20–28 € pro Nacht.

Tankstellen

An Autoroutes ist Sprit 15–20 Cent teurer als an Supermarkt-Tankstellen (Carrefour, Leclerc, Super U). Wer eine Etappe plant, füllt vor der Autobahn auf. Sonntags haben viele Supermarkt-Stationen geschlossen — Restmenge im Tank einplanen. Bezahlen an unbemannten Stationen erfordert eine EU-Chip-Kreditkarte.

Tempolimits & Radarkontrolle

130 km/h auf Autoroute (bei Regen 110), 110 auf zweispurigen Schnellstraßen, 80 auf Landstraßen. Frankreich hat dichte Kontrolle über feste und mobile Radarkästen. Bußgelder erreichen den Mieter über den Vermieter — meist mit Bearbeitungsgebühr von 30–40 €.

Anmerkungen · Fußnoten zum Band § Anmerkungen
  1. ¹ Mietwagen in Frankreich bei Localrent vergleichen. Die Redaktion arbeitet seit 2023 mit Localrent. Vor der Buchung lassen sich Preise, Kautionen, Versicherungsdetails und die erlaubten Grenzübertritte transparent vergleichen — idealerweise, bevor Sie sich für eines der oben beschriebenen Kapitel entscheiden. Bezahlt wird die Redaktion durch eine Affiliate-Provision, die den Mietpreis für den Leser nicht erhöht. Stationen in Frankreich öffnen →
  2. 2 Zur Frage des Cross-Border-Aufpreises und seiner Verhandelbarkeit vgl. Anhang · Praxisteil · Grenzübertritt mit dem Mietwagen.
  3. 3 Preisangaben in dieser Ausgabe: Stand April 2026, Mittelwerte aus Localrent-Vergleichen der Wochen 15–25/2026, Kompaktklasse, mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung.