Reisebibliothek · Ausgabe MMXXVI
Band IX · Schweiz
IX · Band
Reisebibliothek · Der europäische Süden
Band IX

Schweiz

Ein Kapitel, das in sieben Tagen über die klassischen Alpenpässe führt — Zürich, Luzern, Interlaken, Grimsel, Furka, Tessin, Gotthard und zurück.

Und so ging es bei vollkommen heiterem Himmel an den Gotthard. Die ungeheuren nackten Granitmassen waren grösser und ehrwürdiger, als ich sie mir je gedacht hatte.

Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise, 1816

Einführung

Die Schweiz ist der schwierigste Band dieser Bibliothek — nicht, weil die Strecken anspruchsvoller wären als anderswo, und nicht, weil die Landschaft weniger zu bieten hätte, sondern weil die Kosten. Die Redaktion hat lange überlegt, ob ein Schweiz-Band in einer Reisebibliothek für rational planende Selbstfahrer überhaupt einen Platz hat, und am Ende die Antwort gefunden: ja, aber nur mit voller Offenheit. Vgl. Fussnote ².

Dieser Band enthält ein einziges Kapitel: Berner Oberland & Tessin, sieben Tage, 620 Kilometer. Das Kapitel ist die klassische Schweizer Rundfahrt — Zürich, Luzern, über den Brünig ins Berner Oberland, von Interlaken über Grimsel und Furka ins Tessin, durch Lugano und Locarno, Rückfahrt über den Gotthard nach Luzern und Zürich. Es ist der teuerste einzelne Routenvorschlag der gesamten Bibliothek. Für ein Paar sollte man mit 1.280 bis 1.680 € rechnen — und das ohne gehobenes Hotel, ohne Restaurant-Abende über dem Mittelklasse-Niveau, ohne Souvenirs. Wir sagen das, bevor wir irgendetwas anderes sagen, weil es kein Nebensatz sein darf. Die Schweiz ist teuer, und kein Artikel dieses Bandes wird sie billiger machen.

Warum also überhaupt ein Schweiz-Band? Weil die sieben Tage, die dieses Kapitel beschreibt, in keinem anderen Band der Bibliothek ein Pendant haben. Die Kombination aus dem Berner Oberland — Eiger, Mönch, Jungfrau, Interlaken zwischen zwei Seen — und den drei grossen Alpenpässen Grimsel, Furka und Gotthard in einer einzigen Woche ist eine Erfahrung, für die es sonst keinen Weg gibt, ausser per Eigenwagen. Wer aus Deutschland oder Österreich mit dem eigenen Auto kommen kann, spart sich diesen Band. Wer mit dem Flugzeug anreist — aus Skandinavien, aus den Niederlanden, aus Süditalien — und die Schweiz einmal richtig sehen will, findet hier den Weg.

Die Mietwagen-Station ist Zürich Kloten, weil es kaum eine Alternative gibt. Genf ist möglich, liegt aber geografisch falsch für das Berner Oberland. Basel-Mulhouse hat wenig Anbieter. Mailand Malpensa wäre eine Überlegung für die Tessin-Umkehrung, verliert aber den Norden. Zürich ist, trotz der Preise, die richtige Wahl.

Zur Vignette: Die Schweiz hat keine Wochen- oder Zehn-Tage-Vignette, sondern nur eine Jahresvignette (40 CHF). Bei einem in der Schweiz gemieteten Wagen ist sie bereits angebracht. Wer aus Deutschland oder Frankreich mit eigenem Auto einreist, kauft die Vignette am Grenzübergang — sie ist nicht optional, sobald man auf eine Autobahn oder Schnellstrasse fährt. Ohne Vignette: 200 CHF plus die Vignette selbst.

Zu den Alpenpässen, um die es in diesem Kapitel geht: Grimsel, Furka und Gotthard sind die klassischen drei der Zentralalpen, und alle drei sind nur saisonal offen. Verlässlich befahrbar sind sie etwa von Mitte Juni bis Mitte September. Im Mai liegt noch Schnee, im Oktober kann er schon wieder gefallen sein. Wer das Kapitel im Juli oder August fährt, hat die besten Chancen — aber auch die meisten Autofahrer, die dasselbe denken. Wer die Pässe in Ruhe fahren will, wählt die erste Junihälfte (sofern offen) oder die erste Septemberhälfte.

Die Fahrzeugklasse in diesem Kapitel ist Mittelklasse, und zwar nicht optional. Ein Fiat Panda schafft die Pässe, aber nicht entspannt; Motorbremse, Kupplung und Nerven werden anders beansprucht als auf der Toskana-Rundfahrt. Ein Skoda Octavia, ein VW Golf oder ein Opel Astra sind die richtige Wahl. Automatik ist auf Pässen angenehmer als Schaltung; der Aufpreis ist in der Schweiz moderat.

Die Nachbarbände sind Italien (Band I — direkt über den Gotthard zu erreichen), Österreich (Band VIII — Berner Oberland und Tirol liegen näher, als die Karte zeigt) und Frankreich (Band II — über Genf ins Burgund und weiter). Für Reisende, die die Schweiz mit einem dieser Länder verbinden wollen, sind die jeweiligen Bände mit den Anschlüssen beschrieben. Die Redaktion empfiehlt jedoch, die Schweiz einzeln zu fahren; sieben Tage sind das Minimum, und sie füllen sich schneller, als man denkt.

Das Kapitel folgt unmittelbar. Alternativen: Wer nur fünf Tage hat, lässt das Tessin aus und bleibt im Berner Oberland — eine Rechnung, die funktioniert, aber das Kapitel um seinen zweiten Höhepunkt bringt.

Abschnitt § 3 · Die Stationen S. 018

Mietwagen-Stationen
des Bandes

Die Abholstation entscheidet über den Charakter der Reise. Wir geben zu jedem Kapitel eine primäre Station an — und, wenn sich der Umweg lohnt, die bessere Alternative.

Station Warum hier Vorsicht Ab-Preis
Zürich Kloten (ZRH) Der grösste und am besten angebundene Flughafen des Landes. Direktzugang zur A1 und A3. Alle Anbieter vor Ort. Die Preise sind die höchsten der gesamten Reisebibliothek. Eine Kompaktklasse beginnt bei etwa 52 € pro Tag — und das ist der untere Rand. Vgl. Anmerkung ² unten. ab 52 €/Tag
Genf Cointrin (GVA) Alternative Einstiegsstation für Reisen, die im französischsprachigen Westen beginnen. Günstiger als Zürich, da Cross-Border mit Frankreich in Teilen möglich. Für das Berner Oberland und das Tessin ist Zürich der sinnvollere Startpunkt. Genf liegt weit westlich. ab 48 €/Tag
Abschnitt § 4 · Saisontafel S. 022

Beste Reisezeit
pro Region

Region
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Berner Oberland (Seen)
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°
Alpenpässe (Grimsel, Furka, Gotthard)
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Tessin (Lugano, Locarno)
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°
°
°
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■ ausgezeichnet  ·  ▲ gut  ·  ° möglich  ·  · nicht empfohlen

Die Vignette — kein Zehnerheft

Die Schweiz kennt keine Wochen- oder Monatsvignette, sondern nur eine Jahresvignette. Sie kostet 40 CHF (etwa 42 €) und ist an allen Grenzübergängen, Tankstellen und Postfilialen erhältlich. Bei einem in der Schweiz gemieteten Wagen ist sie bereits angebracht; das Fahrzeug am Schalter prüfen lassen. Ohne Vignette auf der Autobahn: 200 CHF Strafe plus Nachzahlung.

Alpenpässe — die Saisonfrage

Grimsel, Furka, Gotthard, Sankt Gotthard, Susten — die grossen Pässe sind von Juni bis September zuverlässig offen. Im Mai kann es schon funktionieren, im Oktober schon zu früh Schnee geben. Wer die klassische Passroute fahren will, plant Juni bis Mitte September. Der Gotthard-Strassentunnel (A2) ist ganzjährig offen, aber die Passstrasse über den Gipfel ist nur im Sommer befahrbar.

Kraftstoff und Parken

Schweizer Benzinpreise liegen deutlich über zwei Euro pro Liter — an Autobahnrastplätzen auch darüber. In Luzern und Interlaken ist Parken teuer: 3–5 CHF pro Stunde in den Innenstädten. Parkhäuser an den Stadträndern sind günstiger; oft ist der Bus zur Altstadt kostenlos.

Geschwindigkeit und Kontrollen

Die Schweiz kontrolliert strenger als die EU-Nachbarländer, und die Bussgelder sind entsprechend höher. Innerorts 50, auf Landstrassen 80, auf Autobahnen 120. Über 20 km/h drüber: ab 240 CHF. Der Abstand zum Vorderfahrzeug wird ebenfalls kontrolliert.

Anmerkungen · Fußnoten zum Band § Anmerkungen
  1. ¹ Mietwagen in Schweiz bei Localrent vergleichen. Die Redaktion arbeitet seit 2023 mit Localrent. Vor der Buchung lassen sich Preise, Kautionen, Versicherungsdetails und die erlaubten Grenzübertritte transparent vergleichen — idealerweise, bevor Sie sich für eines der oben beschriebenen Kapitel entscheiden. Bezahlt wird die Redaktion durch eine Affiliate-Provision, die den Mietpreis für den Leser nicht erhöht. Stationen in Schweiz öffnen →
  2. 2 Zur Kostenlage muss die Redaktion unverblümt sein: Die Schweiz ist das teuerste Mietwagen-Land der gesamten Reisebibliothek. Eine Kompaktklasse beginnt in Zürich bei etwa 52 € pro Tag, eine Mittelklasse eher bei 65–75 €. Benzin liegt deutlich über 2 € pro Liter, an Autobahnraststätten auch über 2,20 €. Die Jahresvignette kostet 40 CHF, und die klassischen Alpenpässe (Grimsel, Furka, Gotthard) sind nur zuverlässig von Juni bis September offen. Wer ein schmales Budget hat, sollte den Band sparen oder auf einen Zugkurzurlaub umsteigen. Wer die Kosten akzeptiert, bekommt sieben Tage, die in keinem anderen Band der Bibliothek ein Pendant haben.
  3. 3 Preisangaben in diesem Band: Stand April 2026, Mittelwerte aus Localrent-Vergleichen der Wochen 15–25/2026, Mittelklasse mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung. Die Schweiz wird in der nächsten Ausgabe neu kollationiert, da die Franken-Stärke die Preise laufend verändert.
  4. 4 Goethe fuhr den Gotthard 1775 und 1779, noch vor seiner italienischen Reise, und kehrte mehrfach zurück. Die zitierte Passage stammt aus der „Italienischen Reise“ (1816) und bezieht sich auf die Überquerung im Rahmen der dritten Schweizer Reise. Die Strasse, die er fuhr, existiert heute noch als Tremola — ein Kopfsteinpflaster-Abschnitt parallel zur modernen Passstrasse, der zum Fahren offen ist.