Einführung
Die Schweiz ist der schwierigste Band dieser Bibliothek — nicht, weil die Strecken anspruchsvoller wären als anderswo, und nicht, weil die Landschaft weniger zu bieten hätte, sondern weil die Kosten. Die Redaktion hat lange überlegt, ob ein Schweiz-Band in einer Reisebibliothek für rational planende Selbstfahrer überhaupt einen Platz hat, und am Ende die Antwort gefunden: ja, aber nur mit voller Offenheit. Vgl. Fussnote ².
Dieser Band enthält ein einziges Kapitel: Berner Oberland & Tessin, sieben Tage, 620 Kilometer. Das Kapitel ist die klassische Schweizer Rundfahrt — Zürich, Luzern, über den Brünig ins Berner Oberland, von Interlaken über Grimsel und Furka ins Tessin, durch Lugano und Locarno, Rückfahrt über den Gotthard nach Luzern und Zürich. Es ist der teuerste einzelne Routenvorschlag der gesamten Bibliothek. Für ein Paar sollte man mit 1.280 bis 1.680 € rechnen — und das ohne gehobenes Hotel, ohne Restaurant-Abende über dem Mittelklasse-Niveau, ohne Souvenirs. Wir sagen das, bevor wir irgendetwas anderes sagen, weil es kein Nebensatz sein darf. Die Schweiz ist teuer, und kein Artikel dieses Bandes wird sie billiger machen.
Warum also überhaupt ein Schweiz-Band? Weil die sieben Tage, die dieses Kapitel beschreibt, in keinem anderen Band der Bibliothek ein Pendant haben. Die Kombination aus dem Berner Oberland — Eiger, Mönch, Jungfrau, Interlaken zwischen zwei Seen — und den drei grossen Alpenpässen Grimsel, Furka und Gotthard in einer einzigen Woche ist eine Erfahrung, für die es sonst keinen Weg gibt, ausser per Eigenwagen. Wer aus Deutschland oder Österreich mit dem eigenen Auto kommen kann, spart sich diesen Band. Wer mit dem Flugzeug anreist — aus Skandinavien, aus den Niederlanden, aus Süditalien — und die Schweiz einmal richtig sehen will, findet hier den Weg.
Die Mietwagen-Station ist Zürich Kloten, weil es kaum eine Alternative gibt. Genf ist möglich, liegt aber geografisch falsch für das Berner Oberland. Basel-Mulhouse hat wenig Anbieter. Mailand Malpensa wäre eine Überlegung für die Tessin-Umkehrung, verliert aber den Norden. Zürich ist, trotz der Preise, die richtige Wahl.
Zur Vignette: Die Schweiz hat keine Wochen- oder Zehn-Tage-Vignette, sondern nur eine Jahresvignette (40 CHF). Bei einem in der Schweiz gemieteten Wagen ist sie bereits angebracht. Wer aus Deutschland oder Frankreich mit eigenem Auto einreist, kauft die Vignette am Grenzübergang — sie ist nicht optional, sobald man auf eine Autobahn oder Schnellstrasse fährt. Ohne Vignette: 200 CHF plus die Vignette selbst.
Zu den Alpenpässen, um die es in diesem Kapitel geht: Grimsel, Furka und Gotthard sind die klassischen drei der Zentralalpen, und alle drei sind nur saisonal offen. Verlässlich befahrbar sind sie etwa von Mitte Juni bis Mitte September. Im Mai liegt noch Schnee, im Oktober kann er schon wieder gefallen sein. Wer das Kapitel im Juli oder August fährt, hat die besten Chancen — aber auch die meisten Autofahrer, die dasselbe denken. Wer die Pässe in Ruhe fahren will, wählt die erste Junihälfte (sofern offen) oder die erste Septemberhälfte.
Die Fahrzeugklasse in diesem Kapitel ist Mittelklasse, und zwar nicht optional. Ein Fiat Panda schafft die Pässe, aber nicht entspannt; Motorbremse, Kupplung und Nerven werden anders beansprucht als auf der Toskana-Rundfahrt. Ein Skoda Octavia, ein VW Golf oder ein Opel Astra sind die richtige Wahl. Automatik ist auf Pässen angenehmer als Schaltung; der Aufpreis ist in der Schweiz moderat.
Die Nachbarbände sind Italien (Band I — direkt über den Gotthard zu erreichen), Österreich (Band VIII — Berner Oberland und Tirol liegen näher, als die Karte zeigt) und Frankreich (Band II — über Genf ins Burgund und weiter). Für Reisende, die die Schweiz mit einem dieser Länder verbinden wollen, sind die jeweiligen Bände mit den Anschlüssen beschrieben. Die Redaktion empfiehlt jedoch, die Schweiz einzeln zu fahren; sieben Tage sind das Minimum, und sie füllen sich schneller, als man denkt.
Das Kapitel folgt unmittelbar. Alternativen: Wer nur fünf Tage hat, lässt das Tessin aus und bleibt im Berner Oberland — eine Rechnung, die funktioniert, aber das Kapitel um seinen zweiten Höhepunkt bringt.