Einführung
Kroatien ist das Land, in dem die Redaktion zum ersten Mal begriffen hat, dass eine Küstenstrasse kein Transportweg sein muss. Die D8, die Jadranska Magistrala, verläuft vom Norden Istriens bis hinunter nach Dubrovnik, und wer sie einmal in der richtigen Richtung gefahren ist — von Split nach Süden, am späten Nachmittag, mit der Sonne im Rücken und dem Meer unter der rechten Kotflügel-Kante — versteht, warum Peter Handke die Adria für ein Verhältnis hielt und nicht für ein Gewässer.
Dieser Band enthält zwei Kapitel. Das erste, Die Dalmatien-Route, ist ein achttägiger Bogen von Split über Trogir, Šibenik, Zadar, Paklenica und Makarska bis nach Hvar und zurück. Sechshundertvierzig Kilometer, davon ein Drittel auf der D8, der Rest auf Seitenstrassen ins Hinterland und einmal per Fähre auf die Insel. Das zweite Kapitel, Istrien & Kvarner, ist kürzer — fünf Tage, dreihundertzwanzig Kilometer — und gehört zu den entspanntesten Rundreisen, die man auf dem europäischen Festland mit einem Kompaktwagen machen kann. Rovinj, die Trüffeldörfer des Landesinneren, ein Tagesausflug über die slowenische Grenze nach Piran, dann zurück über Opatija und Rijeka.
Beide Routen beginnen am Flughafen — Split Resnik für Dalmatien, Pula für Istrien — und enden an derselben Station. Das ist kein Versehen. One-Way-Gebühren sind in Kroatien moderat, aber die Rundfahrt hat einen praktischen Vorteil: Sie können am letzten Tag noch einmal in Ruhe ankommen, das Meer sehen, den Wagen abgeben. Ein Schluss, der wie ein Schluss aussieht, nicht wie ein Hastenmüssen.
Wir haben beide Kapitel mehrfach gefahren, zum ersten Mal 2019, zuletzt im Mai 2025. Was sich in dieser Zeit verändert hat: Die Pelješac-Brücke macht den Umweg über Bosnien überflüssig, die Preise sind seit dem Euro-Beitritt leicht gestiegen, und die Fährpläne nach Hvar sind enger getaktet. Was gleich geblieben ist: der Wind, der Ende Mai aus Nordost kommt, die Lammspeisen in den Konobas des Hinterlandes, und der Umstand, dass man in Dalmatien keine Eile haben sollte, wenn man nicht in eine Baustelle bei Omiš fahren will.
Die Mietwagen-Stationen in diesem Band decken vier Zugänge ab: Split und Pula als Haupteinstiege, Zagreb und Dubrovnik als Alternativen. Die Auswahl ergibt sich aus den Routen — wer mit der D8 nichts anfangen kann und lieber Binnenland sucht, beginnt in Zagreb und fährt über die Plitvicer Seen hinunter zur Küste. Ein solches Kapitel steht in diesem Band noch aus; wir prüfen es für die nächste Ausgabe.
Zur saisonalen Frage: Kroatien kennt drei Reisezeiten. Mai und Juni sind die besten — warmes Meer, ruhige Gassen, erträglicher Verkehr. Juli und August sind das Gegenteil — voll, heiss, laut, teuer. Ende September und Oktober sind die verkannte Wahl: Das Wasser ist wärmer als im Juni, die Terrassen sind wieder für die Reisenden da, und die Strasse lässt sich fahren, ohne dass hinter jeder Kurve ein Reisebus hervorkommt. Fünf Tage in Istrien im Oktober, mit einem Glas Malvazija am Abend in Motovun, sind eine andere Rechnung als dieselben fünf Tage im August. Die Kapitel dieses Bandes sind für alle drei Zeiten geschrieben, aber sie bevorzugen die beiden Ränder.
Die zwei Kapitel im Einzelnen finden sich nach dieser Einführung in der Reihenfolge: zuerst Dalmatien, dann Istrien. Wer beide nacheinander fahren möchte, hängt sie an — das sind dann dreizehn Tage, etwa 960 Kilometer, und ein Band, den man mit einem Satz beschreiben könnte: die ganze kroatische Küste, ohne Abkürzung.