Einführung
Montenegro ist ein Land, das auf der Karte kleiner aussieht, als es sich fahren lässt. Dreizehntausend Quadratkilometer, weniger als Schleswig-Holstein, aber mit einem Höhenunterschied, der von null Meter am Meer bis auf 2 500 Meter im Durmitor reicht — und diese Höhenmeter legt man nicht auf einer Autobahn zurück, sondern auf Serpentinen, die durch Tunnel und Galerien geführt werden, die ein nicht-ganz-hundertjähriges Jugoslawien gebaut hat und ein Montenegro seit zwanzig Jahren instand hält.
In diesem Band liegt ein einziges Kapitel: Die Bucht von Kotor & Durmitor, sechs Tage, 480 Kilometer. Es ist bewusst nur eines. Wer Montenegro eine Woche gibt, bekommt genau zwei Hälften — die Küste und das Gebirge — und verlässt das Land mit dem Gefühl, beiden zu wenig Zeit gelassen zu haben. Wer mehr Zeit hat, bleibt länger an den Orten, die das Kapitel beschreibt, statt neue hinzuzufügen. Montenegro belohnt Langsamkeit; die drei Dörfer am nördlichen Ufer der Bucht — Perast, Risan, Morinj — sehen am dritten Tag anders aus als am ersten, und der Durmitor-Nationalpark braucht einen ganzen Tag allein für Žabljak und den Schwarzen See. Das alles ist im Kapitel berücksichtigt, aber nur, wenn man sich nicht vornimmt, am Abend noch in Bosnien zu sein.
Die Rundfahrt beginnt in Tivat, weil der dortige Flughafen direkt an der Bucht liegt und die Abholung schnell und übersichtlich ist. Podgorica wäre die Alternative — günstiger, ruhiger, aber eineinhalb Stunden vom Meer entfernt. Wer das Kapitel mit dem Durmitor beginnen möchte, kann in Podgorica landen und die Reihenfolge umdrehen. Die Redaktion rät dennoch zur klassischen Richtung: erst das Meer, dann die Berge, weil die Kontraste so stärker wirken.
Ein Wort zum Fahrzeug. Für Montenegro empfehlen wir eine Mittelklasse, nicht weil das Land es zwingend verlangt — die Strassen sind fast überall asphaltiert — sondern weil die Kombination aus langen Anstiegen, engen Serpentinen und plötzlichen Überholmanövern (es gibt sie, auch auf Bergstrecken) ein Auto braucht, das nicht an der Motorleistung spart. Ein Skoda Octavia oder ein VW Golf mit anständigem Diesel sind die richtige Wahl. Ein Fiat 500 kommt auch oben an, nur später und mit wärmeren Bremsen.
Der Grenzübertritt verdient eine eigene Anmerkung. Wer aus Kroatien anreist und den Wagen in Dubrovnik gemietet hat, muss die Fahrt nach Montenegro ausdrücklich im Vertrag eingetragen haben. Ohne diese Eintragung gilt die Versicherung nicht über die Grenze. Seit die Pelješac-Brücke die alte Bosnien-Passage überflüssig macht, ist die Strecke von Dubrovnik nach Kotor in zwei Stunden zu schaffen, aber auch zwei Stunden Fahrt ohne gültige Versicherung sind zwei Stunden, in denen nichts schief gehen darf. Die Redaktion empfiehlt deshalb: Wer Montenegro plant, mietet in Tivat. Wer Kroatien und Montenegro verbindet, bucht zwei Verträge — Dubrovnik hin, Tivat zurück — oder klärt die Grenzfrage vor der Buchung schriftlich. Vgl. Fussnote ².
Zur saisonalen Frage: Die Küste ist von Mai bis Oktober fahrbar; Juli und August sind voll. Der Durmitor ist strenger — die Passstrassen nach Žabljak sind ab etwa Mitte April bis in den November hinein offen, aber für die Hochstrecke zum Schwarzen See empfehlen wir Mai bis September. Im Oktober kann oben bereits Schnee liegen, während unten in Budva noch Badewetter ist. Das ist nicht Montenegros Widerspruch, sondern sein Prinzip.
Das Kapitel folgt auf diese Einführung. Wer nur die Küste sehen will, kürzt auf vier Tage und verzichtet auf Žabljak; wer nur das Gebirge sucht, beginnt in Podgorica und spart sich Budva. Beide Varianten sind im Kapitel beschrieben.