Reisebibliothek · Ausgabe MMXXVI
Band VI · Montenegro
VI · Band
Reisebibliothek · Der europäische Süden
Band VI

Montenegro

Ein Kapitel, das in sechs Tagen von der Küste in die höchsten Berge des Landes führt — Tivat, Kotor, Budva, Žabljak, Tara-Schlucht und zurück.

Man kommt in die Bucht von Kotor wie in ein zu klein geratenes Versprechen — alles ist da, aber näher beieinander, als man es erwartet hätte.

Aus der Redaktion

Einführung

Montenegro ist ein Land, das auf der Karte kleiner aussieht, als es sich fahren lässt. Dreizehn­tausend Quadratkilometer, weniger als Schleswig-Holstein, aber mit einem Höhenunterschied, der von null Meter am Meer bis auf 2 500 Meter im Durmitor reicht — und diese Höhenmeter legt man nicht auf einer Autobahn zurück, sondern auf Serpentinen, die durch Tunnel und Galerien geführt werden, die ein nicht-ganz-hundertjähriges Jugoslawien gebaut hat und ein Montenegro seit zwanzig Jahren instand hält.

In diesem Band liegt ein einziges Kapitel: Die Bucht von Kotor & Durmitor, sechs Tage, 480 Kilometer. Es ist bewusst nur eines. Wer Montenegro eine Woche gibt, bekommt genau zwei Hälften — die Küste und das Gebirge — und verlässt das Land mit dem Gefühl, beiden zu wenig Zeit gelassen zu haben. Wer mehr Zeit hat, bleibt länger an den Orten, die das Kapitel beschreibt, statt neue hinzuzufügen. Montenegro belohnt Langsamkeit; die drei Dörfer am nördlichen Ufer der Bucht — Perast, Risan, Morinj — sehen am dritten Tag anders aus als am ersten, und der Durmitor-Nationalpark braucht einen ganzen Tag allein für Žabljak und den Schwarzen See. Das alles ist im Kapitel berücksichtigt, aber nur, wenn man sich nicht vornimmt, am Abend noch in Bosnien zu sein.

Die Rundfahrt beginnt in Tivat, weil der dortige Flughafen direkt an der Bucht liegt und die Abholung schnell und übersichtlich ist. Podgorica wäre die Alternative — günstiger, ruhiger, aber eineinhalb Stunden vom Meer entfernt. Wer das Kapitel mit dem Durmitor beginnen möchte, kann in Podgorica landen und die Reihenfolge umdrehen. Die Redaktion rät dennoch zur klassischen Richtung: erst das Meer, dann die Berge, weil die Kontraste so stärker wirken.

Ein Wort zum Fahrzeug. Für Montenegro empfehlen wir eine Mittelklasse, nicht weil das Land es zwingend verlangt — die Strassen sind fast überall asphaltiert — sondern weil die Kombination aus langen Anstiegen, engen Serpentinen und plötzlichen Überholmanövern (es gibt sie, auch auf Bergstrecken) ein Auto braucht, das nicht an der Motorleistung spart. Ein Skoda Octavia oder ein VW Golf mit anständigem Diesel sind die richtige Wahl. Ein Fiat 500 kommt auch oben an, nur später und mit wärmeren Bremsen.

Der Grenzübertritt verdient eine eigene Anmerkung. Wer aus Kroatien anreist und den Wagen in Dubrovnik gemietet hat, muss die Fahrt nach Montenegro ausdrücklich im Vertrag eingetragen haben. Ohne diese Eintragung gilt die Versicherung nicht über die Grenze. Seit die Pelješac-Brücke die alte Bosnien-Passage überflüssig macht, ist die Strecke von Dubrovnik nach Kotor in zwei Stunden zu schaffen, aber auch zwei Stunden Fahrt ohne gültige Versicherung sind zwei Stunden, in denen nichts schief gehen darf. Die Redaktion empfiehlt deshalb: Wer Montenegro plant, mietet in Tivat. Wer Kroatien und Montenegro verbindet, bucht zwei Verträge — Dubrovnik hin, Tivat zurück — oder klärt die Grenzfrage vor der Buchung schriftlich. Vgl. Fussnote ².

Zur saisonalen Frage: Die Küste ist von Mai bis Oktober fahrbar; Juli und August sind voll. Der Durmitor ist strenger — die Passstrassen nach Žabljak sind ab etwa Mitte April bis in den November hinein offen, aber für die Hochstrecke zum Schwarzen See empfehlen wir Mai bis September. Im Oktober kann oben bereits Schnee liegen, während unten in Budva noch Badewetter ist. Das ist nicht Montenegros Widerspruch, sondern sein Prinzip.

Das Kapitel folgt auf diese Einführung. Wer nur die Küste sehen will, kürzt auf vier Tage und verzichtet auf Žabljak; wer nur das Gebirge sucht, beginnt in Podgorica und spart sich Budva. Beide Varianten sind im Kapitel beschrieben.

Abschnitt § 3 · Die Stationen S. 018

Mietwagen-Stationen
des Bandes

Die Abholstation entscheidet über den Charakter der Reise. Wir geben zu jedem Kapitel eine primäre Station an — und, wenn sich der Umweg lohnt, die bessere Alternative.

Station Warum hier Vorsicht Ab-Preis
Tivat (TIV) Kleiner Flughafen direkt an der Bucht von Kotor, kurze Wege zu den Rental-Schaltern. Die beste Wahl für eine Rundfahrt, die an der Küste beginnt. Im Sommer stark frequentiert; Warteschlangen am Schalter von zwei Uhr mittags bis sechs. Frühe Abholung empfohlen. ab 34 €/Tag
Podgorica Golubovci (TGD) Landesinnerer Flughafen, ruhiger als Tivat, und sinnvoll, wenn das Kapitel im Durmitor beginnen soll oder die Küstenstrecke am Ende der Reise stehen darf. Von Podgorica zur Bucht sind es eineinhalb Stunden durch Lovćen. Die Strecke ist schön, aber kein Flughafen-Shuttle-Ersatz. ab 32 €/Tag
Abschnitt § 4 · Saisontafel S. 022

Beste Reisezeit
pro Region

Region
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Küste (Kotor, Budva)
·
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°
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Durmitor & Hochgebirge
·
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°
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■ ausgezeichnet  ·  ▲ gut  ·  ° möglich  ·  · nicht empfohlen

Bergstrassen im Durmitor

Die Strecke von Nikšić hinauf nach Žabljak führt über enge Serpentinen mit Fels auf der einen und Abgrund auf der anderen Seite. Gut gebaut, aber nichts für Kleinwagen mit müden Bremsen. Eine Mittelklasse ist die richtige Wahl — nicht wegen der Bergtauglichkeit, sondern wegen der Fahrwerks­reserven.

Tankstellen ausserhalb der Küste

Zwischen Kolašin und Žabljak sind Tankstellen selten und schliessen früh. Wer nach neunzehn Uhr ankommt, findet nichts mehr geöffnet. Immer mit vollem Tank in die Berge fahren.

Zölle und Vignette

Montenegro ist nicht EU und gehört nicht zur Eurozone im Vertragssinn — Zahlungsmittel ist dennoch der Euro, da unilateral übernommen. Eine Autobahn-Vignette gibt es nicht; auf der Sozina-Tunnel-Strecke zahlt man einzelne Maut von 2,50 €.

Grenzübertritt aus Kroatien

Die Redaktion empfiehlt, das Kapitel in Tivat zu beginnen und nicht von Dubrovnik herüberzufahren. Der Grenzübertritt mit kroatischem Mietwagen erfordert eine ausdrückliche Genehmigung im Vertrag; ohne sie ist die Versicherung ungültig. Vgl. Anmerkung ².

Anmerkungen · Fußnoten zum Band § Anmerkungen
  1. ¹ Mietwagen in Montenegro bei Localrent vergleichen. Die Redaktion arbeitet seit 2023 mit Localrent. Vor der Buchung lassen sich Preise, Kautionen, Versicherungsdetails und die erlaubten Grenzübertritte transparent vergleichen — idealerweise, bevor Sie sich für eines der oben beschriebenen Kapitel entscheiden. Bezahlt wird die Redaktion durch eine Affiliate-Provision, die den Mietpreis für den Leser nicht erhöht. Stationen in Montenegro öffnen →
  2. 2 Zum Grenzübertritt zwischen Kroatien und Montenegro vgl. Anhang III · Grenzübertritt mit dem Mietwagen. Wer aus Dubrovnik anreist und den Wagen dort gemietet hat, muss den Übertritt ausdrücklich anmelden lassen — sonst erlischt die Deckung beim Überfahren der Pelješac-Brücke Richtung Süden.
  3. 3 Preisangaben in diesem Band: Stand April 2026, Mittelwerte aus Localrent-Vergleichen der Wochen 15–25/2026, Mittelklasse mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung.
  4. 4 Die Tara-Schlucht ist mit 1.300 Metern die tiefste Schlucht Europas. Die Đurđevića-Tara-Brücke, die sie überspannt, ist nicht nur ein Aussichtspunkt, sondern eine der wenigen Verbindungen vom nördlichen ins südliche Durmitor. Im Hochsommer Parkplatzmangel; früh ankommen.