Einführung
Die Türkei ist in dieser Reisebibliothek ein Sonderfall. Sie ist das einzige Land in diesem Band, in dem der eigene Wagen aus dem DACH-Raum keine Rolle spielen darf — nicht aus Prinzip, sondern aus schlichter Rechenkunst. Von München nach Antalya sind es 2.700 Kilometer einfach, von Zürich nach Izmir ähnlich. Rechnet man hin und zurück, rechnet man die Grenzkontrollen in Kapıkule, die zollrechtliche Eintragung des Fahrzeugs in den Reisepass, die Kaution an der bulgarisch-türkischen Grenze und die zwei bis drei Tage verlorener Reisezeit auf der Rumänien- und Bulgarien-Autobahn hinzu, dann bleibt von zwei Wochen Urlaub der Rest für höchstens eine flüchtige Bekanntschaft mit dem eigentlichen Ziel.
Der einzig sinnvolle Weg ist fly + rent: Flug nach Izmir (ADB) oder Antalya (AYT), Mietwagen am Flughafen, eine Rundreise, die in zehn bis vierzehn Tagen das zeigt, wofür man in die Türkei fährt¹. Die Preise für eine ordentliche Kompaktklasse bewegten sich im Frühjahr 2026 zwischen 23 und 27 € pro Tag, inklusive Vollkasko. Das ist — wir erwähnen es selten, aber hier zu Recht — der niedrigste Mietpreis in diesem ganzen Band, niedriger als in Italien, niedriger sogar als in Portugal oder Kroatien.
Die zwei Kapitel, die wir für diesen Band ausgewählt haben, decken die zwei klassischen Küstenregionen ab, die uns nach mehreren Besuchen am besten gefallen haben. Das erste Kapitel führt von Izmir aus durch die türkische Ägäis — Pergamon, Ephesus, Pamukkale, Aphrodisias, Bodrum, Milet. Acht Tage, 780 Kilometer, eine Strecke, die mehr antike Substanz enthält als jede andere Region des Mittelmeers. Das zweite Kapitel beginnt in Antalya und folgt der lykischen Küste bis Fethiye — Phaselis, Olympos, Kaş, Kalkan, Patara, Xanthos, Saklıkent. Sieben Tage, 620 Kilometer, die schönste Küstenstrasse der ganzen Region und ein Konzentrat aus römischer Antike, Felsgräbern und tiefblauem Wasser.
Was die Türkei für eine Rundreise per Mietwagen besonders gut geeignet macht, ist der Zustand der Strassen in den westlichen Provinzen. Die Küstenstrasse D400 zwischen Antalya und Fethiye ist in den letzten zehn Jahren vollständig erneuert worden — zweispurig, gut markiert, mit genügend Parkbuchten an den Aussichtspunkten. Die Autobahn O-31 zwischen Izmir und Aydın ist modern und entlastet den Weg zum Ephesus-Abzweig. Die inneren Strassen Richtung Pamukkale und Aphrodisias sind schmaler, aber asphaltiert. Für keine der beiden Routen braucht es einen SUV, für keine einen 4×4.
Wir empfehlen den Spätfrühling (Ende April bis Anfang Juni) oder den mittleren Herbst (Mitte September bis Oktober). Juli und August sind heiss, teuer und überlaufen — die Temperaturen in Ephesus übersteigen regelmässig 38 Grad, und die antiken Stätten werden zu Backöfen ohne Schatten. Der April ist noch kühl, die Mandelbäume blühen; der Oktober ist der Monat, in dem wir beide Routen am liebsten fahren.
Eine letzte Bemerkung zur Versicherung²: In der Türkei empfehlen wir strikt Vollkasko ohne Selbstbeteiligung, auch wenn der Aufschlag spürbar ist. Die Verkehrskultur ist rapider als in Deutschland, und ein unverschuldeter Schaden ist schnell passiert — die Abwicklung mit einem ausländischen Vermieter ohne Komplett-Schutz zieht sich über Wochen. Die zwei folgenden Kapitel erklären den Rest.