Am Schalter beginnt die Reise
Ein Flug nach Florenz, Málaga, Split oder Catania endet nicht am Gepäckband, sondern am Mietwagen-Schalter, und dort beginnt der weniger romantische Teil des Urlaubs. Wer dort unvorbereitet steht — übernächtigt, hungrig, mit einem Kleinkind an der Hand — unterschreibt innerhalb von zwölf Minuten einen Vertrag, in dem sich drei Posten verbergen, die er zu Hause auf dem Sofa nie akzeptiert hätte. Wir schreiben das nicht, um jemanden zu belehren, sondern weil es uns selbst passiert ist — mehrfach, in verschiedenen Ländern, mit jedesmal demselben kleinen Stich im Bauch, wenn die Kreditkartenabrechnung drei Wochen später ankam.
Die folgenden Abschnitte sind das, was wir nach jenen Abrechnungen aufgeschrieben haben. Nicht als Checkliste — eine Checkliste am Schalter vorzulesen wirkt unhöflich und hilft ohnehin nicht —, sondern als jene Sätze, die man im Kopf haben sollte, wenn der Mitarbeiter hinter dem Tresen das Wort „Upgrade” in den Mund nimmt. Sie gelten im Grundsatz für jeden Flughafen in unserem Arbeitsgebiet, von Nizza bis Antalya; die Gewichtung verschiebt sich nur je nach Kultur der jeweiligen Station.
Was wirklich zu prüfen ist, bevor Sie einsteigen
Das Schadenprotokoll ist der wichtigste Moment der gesamten Abholung, und er dauert genau so lange, wie Sie ihn dauern lassen. Fünfzehn Minuten sind keine Übertreibung. Ein Wagen aus der Mietwagen-Flotte eines südeuropäischen Flughafens hat nach zwei Saisons garantiert Spuren — die Frage ist nur, ob diese Spuren auf dem Protokoll stehen oder nicht. Wir gehen inzwischen einmal um den Wagen herum mit der Handykamera in Videofunktion, langsam, und filmen jede Radkappe, jede Stoßstange, jede Felge, die Windschutzscheibe, den Unterboden vorn und hinten soweit sichtbar. Das Video liegt anschließend mit Zeitstempel in der Cloud. Wer uns fragt, warum so aufwendig: weil ein Kratzer am Stoßfänger, den wir nicht fotografiert haben, uns in Palermo einmal 340 € gekostet hat, von denen wir bis heute überzeugt sind, dass sie uns nicht zugestanden hätten.
Der Tankstand ist der zweite Punkt, der häufig falsch übergeben wird. „Voll” bedeutet nicht automatisch voll — es bedeutet, was der Vertrag sagt. Ein Blick auf den Zeiger, ein Foto davon, und eine knappe Notiz auf dem Übergabebogen, falls die Nadel nicht ganz oben steht. Ähnliches gilt für den Kilometerstand, falls der Vertrag Freikilometer enthält; in Südeuropa ist das selten, aber bei Langstrecken-Einwegmieten kommt es vor.
Der dritte Punkt ist der Versicherungsstatus, wie er im Vertrag steht, nicht wie er am Schalter beschrieben wird. Diese beiden Formulierungen sind nicht immer deckungsgleich. Wir haben uns angewöhnt, beim Unterschreiben den entsprechenden Abschnitt zu lesen — kurz, nicht vollständig, aber konkret: Welche Selbstbeteiligung steht dort wirklich? Welche Schäden sind ausgeschlossen? Wer am Schalter sagt, „Sie sind vollkasko-versichert”, meint oft etwas anderes als der Vertrag ¹.
Airport-Surcharges und warum der Shuttle ein Trick sein kann
Jeder europäische Flughafen erhebt auf Mietwagen eine sogenannte Airport Surcharge — eine Gebühr, die der Flughafenbetreiber dem Vermieter berechnet und die der Vermieter an den Kunden weitergibt. Sie bewegt sich typischerweise zwischen acht und vierzehn Prozent des Mietpreises, kann in der Hochsaison aber auch zwanzig überschreiten. Sichtbar wird sie selten; sie steckt im Endpreis.
Unsere Beobachtung: An vielen Stationen liegt fünf bis zehn Minuten außerhalb des Flughafenareals eine Stadtstation oder ein Gewerbegebiet-Büro desselben oder eines vergleichbaren Anbieters, und dort ist derselbe Wagen zwischen zwanzig und dreißig Prozent günstiger. Die Frage ist also nicht, ob man den Zuschlag zahlt, sondern ob er die gesparte Zeit wert ist. Für eine Wochenmiete von 380 € liegen siebzig Euro auf dem Tisch; das ist eine durchgestrichene Übernachtung in einem ordentlichen Agriturismo. Wer das Wort „Shuttle” in einer Buchungsmaske liest, hat es also nicht unbedingt mit einer Unannehmlichkeit zu tun, sondern mit einer günstigeren Alternative.
Das gilt nicht für jeden Flughafen gleichermaßen. An kleinen Regionalflughäfen — Alghero, Kavala, Antalya Gazipaşa — gibt es die Stadtstation nicht, weil es die Stadt nicht gibt. An großen Hubs — Málaga, Nizza, Athen, Antalya, Catania — lohnt der Vergleich fast immer. Wir prüfen vor jeder Route beides und nehmen, was im Verhältnis von Zeit zu Preis besser aussieht. In Nizza sind wir einmal zehn Minuten mit dem Bus nach Saint-Augustin gefahren und haben vierundvierzig Euro gespart. In Catania haben wir es einmal gelassen und sind am Flughafen geblieben, weil die Stadtstation damals einen schlechteren Ruf hatte als der Flughafen-Schalter. Beides sind legitime Entscheidungen; die Frage ist nur, dass sie getroffen werden.
Upselling, Kaution und der unauffällige Zusatzposten
„Wir haben ein kostenfreies Upgrade für Sie.” Dieser Satz klingt angenehm, meint aber in der Praxis oft: Wir haben den gebuchten Benziner nicht verfügbar und geben Ihnen einen Diesel eine Klasse höher. Der Wagen ist größer, die Klimaanlage stärker, der Verbrauch in der Regel niedriger, aber der Tankpreis pro Liter liegt in Italien, Frankreich und Spanien bei Diesel inzwischen nur wenige Cent unter oder sogar über Super 95, und der Vermieter verdient an dem Wechsel still mit. Wir akzeptieren das Upgrade meistens — nicht, weil es großzügig ist, sondern weil es für den Reisealltag irrelevant ist. Wichtig ist nur, dass der Tankstand am Ende ohne Nachberechnung akzeptiert wird, und dass im Protokoll das Upgrade schriftlich vermerkt ist.
Anders liegt der Fall bei den Zusatz-Versicherungen am Schalter. „Die Vollkasko, die Sie gebucht haben, deckt nicht die Felgen, nicht die Scheiben, nicht den Unterboden.” Das ist fast immer zutreffend. Die Frage ist, ob ein Super-CDW für 9,50 € pro Tag die richtige Antwort ist oder ob eine andere Lösung über die Buchungsplattform günstiger war ¹. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Super-CDW am Schalter regelmäßig das Zweieinhalbfache dessen kostet, was dieselbe Deckung online vorab gekostet hätte. Wer am Schalter steht und den Eindruck hat, eine schnelle Entscheidung treffen zu müssen, macht in der Regel die falsche.
Die Kaution ist der letzte Punkt und der, über den am meisten Missverständnisse entstehen. Sie wird auf der Kreditkarte nicht abgebucht, sondern geblockt — das heißt: Der Betrag ist für die Dauer der Miete nicht mehr verfügbar, auch wenn er nie wirklich abfließt. Bei einer Kompaktklasse in Italien liegt die Block-Summe zwischen 800 und 1 500 €; bei einem SUV oder einer cross-border-tauglichen Miete entsprechend mehr. Eine Kreditkarte mit ausreichendem Limit ist zwingend; eine Debitkarte wird an den meisten Schaltern abgelehnt, und wer dann am Flughafen steht, hat ein Problem, das keiner der anwesenden Mitarbeiter freundlich lösen kann. Der Name auf der Kreditkarte muss zudem mit dem Namen im Mietvertrag übereinstimmen, wortgleich. Wir nennen diesen Punkt, weil wir einmal eine ältere Dame beobachtet haben, die in Málaga vor dem Schalter stand und erklären musste, warum auf ihrem Pass ein Doppelname stand, auf der Karte aber nur einer.
Empfehlung der Redaktion
Unser Rat, wenn Sie nur einen einzigen Satz aus diesem Anhang mitnehmen wollen: Planen Sie den Schalter-Aufenthalt mit einer Stunde ein, nicht mit den optimistischen fünfzehn Minuten der Buchungsbestätigung. Wer eine Stunde hat, filmt den Wagen in Ruhe, liest die kritischen Passagen des Vertrags, lehnt Upselling ohne Gesichtsverlust ab und trinkt anschließend einen Kaffee, bevor er sich auf die erste Autobahn setzt. Wer fünfzehn Minuten hat, unterschreibt alles und merkt es erst in drei Wochen. Die Stunde ist in jedem Kapitel dieser Bibliothek die bestinvestierte Stunde des Urlaubs — nicht, weil Mietwagen-Abholungen kompliziert wären, sondern weil der Schalter der einzige Ort einer Rundreise ist, an dem der Anbieter einen Vorteil gegenüber dem Reisenden hat. Überall sonst sind die Karten neu gemischt ².