Einführung
Griechenland beginnt nicht in Athen. Es beginnt auf der Autobahn, die die Stadt nach Westen verlässt, am Kanal von Korinth, wo das Festland zerschnitten und die Halbinsel zur Insel wird. Dort hört die Hauptstadt auf, und etwas anderes fängt an — eine Landschaft, die sich nicht eilig machen lässt und keine Rundreise honoriert, die nicht in Tagen rechnet.
Wir haben in diesem Band zwei Routen zusammengetragen, die nach unserer Erfahrung das Wesen des Landes am ehesten treffen, ohne in Ankara-hafte Ehrgeiz zu verfallen. Das erste Kapitel umrundet die Peloponnes, die eigentliche Wiege Europas, in neun Tagen. Das zweite Kapitel ist eine siebentägige Rundfahrt über Kreta, die grösste und eigenwilligste der griechischen Inseln. Beide sind als Ringe angelegt: Wagen am selben Flughafen abholen, am selben Flughafen zurückgeben, kein One-Way-Aufpreis, kein logistischer Zusatzstress.
Was man wissen sollte, bevor man in Athen oder Heraklion an den Schalter tritt: Die griechischen Strassen sind, entgegen landläufigen Erwartungen, ordentlich. Die Autobahnen der letzten fünfzehn Jahre — Attiki Odos, Olympia Odos, Egnatia — sind europäischer Standard. Die Landstrassen der Peloponnes sind eng, aber asphaltiert. Nur im Innern der Mani, im Norden Kretas hinter Anogia oder auf den Bergpisten oberhalb von Mystras wird es rau, und auch dort reicht ein vernünftiger Kompaktwagen, wenn man mit Bedacht fährt.
Der schwierigere Teil ist nicht die Strasse, sondern das Tempo. Wer im Mai die SR74 von Mystras nach Kardamyli fährt, lernt schnell, dass Entfernungen in Griechenland nicht in Kilometern gemessen werden, sondern in Blickwechseln. Sieben Kilometer können eine halbe Stunde dauern, nicht weil der Verkehr sie bremst, sondern weil alle zwei Kurven ein neuer Talblick sich öffnet, den man nicht ungesehen passieren will. Das ist die Schule der Peloponnes. Kreta hat eine eigene, langsamere Variante davon.
Wir empfehlen für beide Routen den späten April bis frühen Juni oder den September und Oktober. Juli und August haben wir früher mitgenommen, heute raten wir davon ab: Die Hitze, die ausgetrocknete Landschaft, die voll gebuchten Fähren und die Schlangen am Mietwagen-Schalter ergeben zusammen eine Erfahrung, die mit der Ruhe dieser Routen wenig zu tun hat. Im Oktober hingegen, wenn die Tavernen sich leeren und das Licht flach wird, ist Griechenland von einer Eindringlichkeit, die sich nirgendwo sonst in Europa finden lässt.
Der Wagen ist in beiden Fällen Mittel, nicht Zweck¹. Wir haben für dieses Vorwort die Preise der Frühjahrsmonate 2026 nachgesehen und sie bewegen sich für eine ordentliche Kompaktklasse mit Vollkasko zwischen 26 und 30 € pro Tag, Airport-Aufschläge eingeschlossen. Das ist verglichen mit Italien oder Frankreich niedrig, und es ist einer der Gründe, weshalb Griechenland für Rundreisen per Mietwagen so geeignet bleibt. Die zwei Kapitel dieses Bandes — Peloponnes und Kreta — folgen auf den nächsten Seiten².