Einführung
Die Côte d’Azur und die Provence sind zwei Landstriche, die sich in der deutschsprachigen Reiseliteratur seit mindestens 1780 begegnen — meist als Kulisse, seltener als Gegenstand — und die so oft in einem Atemzug genannt werden, dass man leicht vergisst, wie unterschiedlich sie sich fahren. Die Küste ist nervös, dicht bebaut und sommers verstopft; das Hinterland ist ruhig, weit und oft leer. Beide zusammen ergeben eine sinnvolle Rundfahrt nur dann, wenn man die Wechsel zwischen ihnen nicht als Übergangsstrecken, sondern als eigene Etappen versteht.
Diese Rundfahrt ist für sieben Tage ausgelegt und folgt einer einfachen Logik: zwei Tage Küste, ein Übergangstag ins Landesinnere, ein Ruhetag in Aix-en-Provence, ein Tag in den Gorges du Verdon, ein Rückfahrttag über die Route Napoléon, ein kurzer Schlusstag an der oberen Küste bis zur Rückgabe in Nizza. 620 Kilometer, keine langen Autobahnetappen, und die Stadt Nizza als Klammer. Wir haben sie zum ersten Mal im Mai 2024 gefahren und seither in zwei weiteren Saisons kontrolliert, ob die Empfehlungen halten. Sie halten.
Der Wagen wartet in Peretola — falsch. Der Wagen wartet am Flughafen Nizza, Terminal 2, Untergeschoss, und die Abholung selbst ist einer der besser organisierten Vorgänge des französischen Mietwagen-Alltags¹. Wer erstmals an NCE landet und zum Rental-Parkplatz will, folgt den Schildern „Car Rental Center”. Der Shuttle fährt alle zehn Minuten. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.
Die Côte d’Azur ist kein Anfängerterrain. Die Küstenstraße N98 ist eng, viel befahren und oft durch illegal parkende Lieferwagen blockiert; die Moyenne Corniche ist komfortabler, aber verlangt Aufmerksamkeit beim Wechseln zwischen schmalen Tunneln und offenen Panoramaabschnitten. Wir empfehlen, die erste Fahrt in den Morgenstunden zu beginnen — zwischen 8 und 10 Uhr — und die heißen Nachmittagsstunden für Pausen zu nutzen. Die Provence im Landesinnern ist entspannter, aber die Landstraßen sind nicht für das Tempo gemacht, das ein deutscher Fahrer gewohnt ist. 80 km/h auf zweispurigen Strecken sind die Regel, nicht die Ausnahme; Radarkontrollen sind dicht, und die Bußgelder erreichen den Mieter über Umwege, die Bearbeitungsgebühren einschließen⁶.
§2 — Mietwagen abholen
Die Abholung in Nizza ist insgesamt unproblematisch, aber sie hat ihre Fallen. Der erste Hinweis¹ betrifft die Airport-Surcharge: Alle Anbieter in NCE berechnen einen prozentualen Aufschlag, der zwischen 12 und 18 % liegt und nicht verhandelbar ist. Dieser Aufschlag wird in der Regel schon im Online-Tarif eingerechnet, aber nicht immer explizit ausgewiesen. Wer es ganz genau wissen will, vergleicht denselben Anbieter in NCE und am Hauptbahnhof Nice-Ville und rechnet den Unterschied aus.⁴
Der zweite Hinweis betrifft das Fahrzeug selbst. „Kompaktklasse” kann in Nizza alles zwischen einem Fiat 500 und einem Peugeot 308 bedeuten. Wer konkret einen Wagen mit ausreichendem Kofferraum für zwei Personen und Gepäck braucht, bucht eine Klasse höher — der Aufpreis liegt bei etwa 8 € pro Tag, die Differenz im Komfort ist größer. Bei Abholung hat der Anbieter oft mehrere Wagen zur Auswahl — fragen Sie danach.
Der dritte Hinweis betrifft die Versicherung. Der Grundtarif bei Localrent enthält meist eine Basisversicherung mit Selbstbeteiligung. Für diese Rundfahrt empfehlen wir Vollkasko ohne Selbstbeteiligung: nicht wegen der Autobahn, sondern wegen der engen Parkhäuser in Saint-Tropez und Vence, in denen ein Kratzer nach zwei Minuten passiert und 400 € kostet. Der Upgrade zur Vollkasko ohne SB kostet je nach Anbieter 8–14 € pro Tag — eine vernünftige Investition.
Der Wagen wird mit vollem Tank übernommen und soll mit vollem Tank zurückgegeben werden. Die Tankstelle am Flughafen ist 15 Cent pro Liter teurer als die Standorte in Saint-Laurent-du-Var; wer eine Ersparnis von acht Euro nicht verachtet, füllt dort auf und fährt die letzten zwei Kilometer mit dem Verbrauchsanzeiger an der Grenze. Eine Fotoaufnahme des vollen Tanks nach der Rückgabe schützt vor nachträglichen Streitigkeiten.⁵