Einführung
Kreta ist die grösste der griechischen Inseln, die einzige, die man ohne schlechtes Gewissen „Kontinent im Kleinen“ nennen kann, und die einzige, für die eine siebentägige Rundfahrt per Mietwagen nicht etwa zu kurz, sondern gerade das richtige Mass ist. Wer Kreta in fünf Tagen besichtigen will, hat das Wesen der Insel nicht verstanden; wer vierzehn Tage investiert, gerät in eine Langsamkeit, die der Insel zwar angemessen, einer Rundreise aber hinderlich ist.
Diese Route beginnt und endet in Heraklion, wo sich der wichtigste Flughafen der Insel befindet¹. Von dort führt sie entlang der Nordküste nach Westen bis Chania, in die Berge zur Samaria-Schlucht, hinunter an die einsamere Südküste, zurück über die Messara-Ebene in den Osten nach Agios Nikolaos und von dort wieder nach Heraklion. Ein Ring, der die drei Gesichter Kretas — die venezianischen Altstädte des Nordens, die minoischen Paläste des Zentrums und die wilde Südküste — in einer natürlichen Abfolge befährt.
Eine Warnung vorweg: Die Nord-Süd-Verbindungen über das Gebirge sind langsam. Die Entfernungen auf der Karte sehen harmlos aus, die Fahrzeiten entsprechen ihnen nicht. Wer in dieser Rundfahrt 100 Kilometer plant, plant zwei bis zweieinhalb Stunden Fahrzeit, und mehr Pausen als üblich. Das ist nicht Zufall, sondern Kreta.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Heraklion ist kleiner als Athen und deutlich übersichtlicher. Die Mietwagen-Schalter befinden sich direkt in der Ankunftshalle, und nach fünf Minuten Fussweg zum Parkdeck hat man den Wagen¹. In der Hauptsaison (Juli/August) können sich jedoch lange Schlangen bilden — besonders am Nachmittag, wenn die meisten Chartermaschinen landen. Wer in dieser Zeit fliegt, sollte entweder einen Anbieter mit eigenem Schalter wählen (nicht einen Sammel-Counter) oder im Voraus online einchecken.
Bei der Abholung gelten dieselben drei Regeln wie überall: Schäden-Protokoll inklusive Fotos, Tankstand prüfen (voll ist voll), und auf Upselling-Versuche gefasst sein. Auf Kreta haben wir die Erfahrung gemacht, dass die lokalen Anbieter — Anfahrten direkt vor dem Terminal — günstiger sind als die internationalen Ketten, aber bei Schadenfällen merklich zäher abwickeln. Wir bleiben in der Regel bei den Mittelgrossen: Nicht ganz so günstig wie die kleinen Anbieter, aber nachvollziehbar bei Problemen.
Ein Wort zur Klasse: Für diese Rundfahrt reicht ein Kompaktwagen (Fiat Panda, Hyundai i10, Toyota Aygo). Die Bergstrassen der Samaria-Zufahrt oder der Südküsten-Verbindungen sind für Kompakte unproblematisch, solange der Fahrer auf das Tempo achtet. Ein SUV ist überflüssig und in den engen Gassen von Chania und Rethymnon sogar nachteilig². Die Kaution liegt typisch bei 800 bis 1.000 €, gesperrt auf der Kreditkarte.