Einführung
Sieben Tage durch die Dolomiten sind kein Urlaub im Sinne der Toskana oder der Amalfiküste. Sie sind eine Art konzentrierter Landschafts-Lektüre, bei der jeden Tag ein neuer Abschnitt aufgeschlagen wird: Pässe, Hochplateaus, Dörfer in drei Sprachen, Gletscher, die im Verschwinden begriffen sind, und jene Felsgebilde, die die Unesco mit vollem Recht als Weltnaturerbe eingetragen hat. Wer diese Rundfahrt macht, fährt nicht, um am Meer zu liegen oder in Weinkellern zu verkosten. Er fährt, um einer Landschaft zu begegnen, die sich anders nicht zeigt — weder vom Talboden aus, noch vom Flugzeugfenster, und schon gar nicht von einer Photogalerie her.
Das Kapitel ist deshalb das körperlich anstrengendste dieses Bandes. 720 Kilometer in sieben Tagen klingen nach wenig; aber es sind 720 Kerbenträchtige Kilometer über Passstrassen, mit Höhenunterschieden von jeweils 1.500 bis 2.200 Metern zwischen Tal und Passhöhe. Der Wagen arbeitet mehr als in jedem anderen Kapitel, der Fahrer ebenso. Deshalb empfehlen wir — als einziges der vier Italien-Kapitel — die Mittelklasse statt der Kompaktklasse. Ein wagentypischer Kompakter schafft die Pässe auch, aber er schafft sie mit spürbarer Anstrengung, und die Kilometer des sechsten Tages fahren sich mit einem etwas grösseren Motor merklich entspannter.
Die beste Reisezeit ist eng: Juli, August, September — und selbst innerhalb dieses Fensters öffnen und schliessen die grossen Pässe je nach Schneefall einige Tage früher oder später. Wer die Rundfahrt vor dem 15. Juni plant, prüft zwingend die offiziellen Strasseninformationen. Wer nach dem 15. Oktober fährt, sollte auf eine der Alternativen ausweichen. Das Kapitel, das Sie gerade lesen, ist auf den Juni-bis-September-Zeitraum optimiert; der Wagen wartet in Verona¹, und die erste Fahrt führt hinaus aus der Ebene in Richtung Gardasee.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Verona Valerio Catullo ist klein, aber effizient. Die Mietwagen-Schalter befinden sich direkt im Ankunftsbereich, und der Gang zu den Parkplätzen dauert drei Minuten. Im Gegensatz zu den grossen norditalienischen Flughäfen wie Mailand Malpensa oder Bergamo ist die Abholung hier in der Regel entspannt — selten mehr als fünf Minuten Wartezeit am Schalter, und die Übergabe des Wagens auf dem Vorfeld verläuft ohne das eigentümliche Zerren um Versicherungs-Upgrades, das man anderswo kennt.
Die wichtigste Entscheidung für dieses Kapitel betrifft tatsächlich die Fahrzeugklasse. Wir haben in vorangegangenen Kapiteln konsequent die Kompaktklasse empfohlen und dabei Gründe genannt, die an engen Altstadtgassen und der Amalfitana einleuchten. Für die Dolomiten gilt das Gegenteil: Die Pässe verlangen Drehmoment und einen Motor, der nicht am Limit arbeitet. Ein Volkswagen Golf, ein Skoda Octavia, ein Seat Leon — das sind die passenden Wagen für diese Woche. Bei den grossen Vermietern kostet der Aufschlag zur Kompaktklasse etwa 8 bis 12 Euro pro Tag, bei den lokalen Partnern von Localrent oft weniger (vgl. Fussnote ¹). Wir bezahlen diesen Aufschlag ohne Diskussion.
Die zweite Besonderheit ist die Frage, ob man Winterreifen braucht. Im Juni und im September empfehlen wir sie auch, obwohl sie rechtlich in der Regel nicht vorgeschrieben sind — die Ausnahme: Passstrassen, die nach einem verspäteten Schneefall im Juni oder einem frühen Schneefall im Oktober von den örtlichen Behörden auf Winterreifen oder Ketten umgestellt werden. Die Meldungen kommen kurzfristig und lokal. Die meisten italienischen Mietwagen sind zwischen November und Mitte April mit Winterreifen ausgestattet; wer im Juni kommt, fährt fast immer mit Sommerreifen, die für die Pässe im Normalfall völlig ausreichen. Im Zweifel — und nur dann — lohnt sich eine telefonische Vor-Rückfrage bei der Station, ob für den geplanten Reisezeitraum Winterreifen oder eine M+S-Markierung verfügbar sind. Die Anfrage ist in Verona problemlos und wird ohne Aufschlag beantwortet.