Einführung
Acht Tage Sizilien sind ein Kompromiss, und wir sollten das gleich zu Beginn aussprechen. Die Insel misst 25.700 Quadratkilometer, sie ist damit grösser als Belgien, und sie trägt eine Geschichte, die von den phönizischen Handelsposten des neunten Jahrhunderts vor Christus bis zu den Barockstädten des späten achtzehnten Jahrhunderts reicht. Wer in einer Woche beide Küsten sehen will, wer Palermo und Agrigent und Trapani und Syrakus in dieselbe Rundfahrt pressen will, fährt am Ende mehr Kilometer, als er Städte sieht. Dieses Kapitel trifft eine andere Entscheidung: Es bleibt auf der Ostküste, beginnt am Ätna, läuft südwärts entlang der Ionischen Küste bis nach Ragusa und kehrt im Hinterland zurück. Das sind 560 Kilometer und acht Tage, von denen keiner hektisch werden muss.
Die Ostküste hat den Vorteil, dass sie alle wichtigen Register sizilianischer Kultur in sich trägt. Der Ätna ist der grösste aktive Vulkan Europas, Taormina die klassische Station jeder Grand-Tour-Reise seit dem achtzehnten Jahrhundert, Syrakus einst die grösste Stadt der griechischen Welt. Und das Val di Noto — Noto, Modica, Ragusa und die kleineren Dörfer dazwischen — gehört seit 2002 zum Unesco-Weltkulturerbe, weil es den geschlossensten Bestand an sizilianischem Spätbarock enthält. Wer eine Runde durch diese fünf Stationen fährt, hat nicht alles gesehen, aber er hat den Teil gesehen, der am meisten über den Rest verrät.
Der Wagen wartet in Fontanarossa¹, und die erste Entscheidung fällt am Ortsausgang: nicht der Navigation blind folgen, die fast immer durch die ZTL in die Altstadt hineinführt, sondern den Viale Africa und die Via VI Aprile nehmen. Was dazwischen liegt, sind zehn Minuten Fahrzeit und ein Unterschied zwischen einem ruhigen Start und einem bürokratischen Nachspiel, das einige Wochen später mit einer deutschsprachigen E-Mail des Mietwagen-Anbieters beginnt.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Fontanarossa liegt acht Kilometer südlich der Altstadt von Catania und ist die einzige realistische Einstiegsstation für jede Sizilien-Route, die den Osten zum Schwerpunkt hat. Palermo ist weiter westlich und für diese Rundfahrt nicht praktikabel — die Überlandstrecke nach Catania frisst allein einen halben Tag. Die Rental-Stationen am Flughafen teilen sich wie üblich in zwei Kategorien: die grossen internationalen Ketten (Hertz, Europcar, Avis, Sixt) im Hauptgebäude und die lokalen Anbieter in einem Nebengebäude auf der rechten Seite des Vorplatzes, rund fünf Gehminuten entfernt. Der Preisunterschied zwischen beiden beträgt bei der Kompaktklasse in der Hauptsaison regelmässig 20 bis 30 Prozent, zulasten der grossen Ketten — wer über Localrent bei einem der lokalen Anbieter vorbucht, spart und bekommt in der Regel gleichzeitig einen besseren Umgang am Schalter, weil dort nicht hundert Leute gleichzeitig einchecken (vgl. Fussnote ¹).
Eine sizilianische Besonderheit, die an anderen italienischen Flughäfen so nicht vorkommt, ist die besondere Vorsicht bei der Übernahme selbst. Das Fahrzeug sollte vor der Fahrt aus dem Parkhaus komplett fotografiert werden — alle vier Seiten, Dach, Innenraum, Tachostand und Kraftstoffanzeige. Wir haben mehrfach erlebt, dass Kratzer, die bei der Übernahme im Protokoll nicht eingetragen waren, bei der Rückgabe plötzlich doch registriert wurden. Die Fotos mit Zeitstempel sind das einzige Mittel, in solchen Fällen zu widersprechen. Die fünf Minuten investieren wir ausnahmslos.
Das zweite wiederkehrende Thema ist die Versicherung. Die Standard-Vollkasko mit Selbstbeteiligung, wie sie in den meisten Buchungssystemen voreingestellt ist, liegt zwischen 800 und 1.500 Euro — die entsprechende Summe wird als Kaution auf der Kreditkarte gesperrt und nach Rückgabe aufgelöst, sofern nichts fehlt. Für diese Rundfahrt empfehlen wir die Aufstockung auf die „Super Casco” ohne Selbstbeteiligung, nicht wegen der Autobahnen — die sind gut ausgebaut —, sondern wegen der engen Altstadtgassen in Ortigia, Modica und Ragusa Ibla, und wegen der SP92 am Ätna, die bei Gegenverkehr regelmässig für kleine Lackabdrücke sorgt. Der Aufpreis liegt bei rund 10 Euro pro Tag und ist in der Regel über Localrent oder direkt beim lokalen Anbieter am Schalter buchbar (vgl. Fussnote ¹).