Einführung
Sieben Tage Toskana bedeuten für uns immer denselben Kompromiss: Wir müssen entscheiden, wie viel Chianti und wie viel Val d’Orcia wir in den Kalender legen. Beide Landschaften sind Herzkammern dieser Region; keine von beiden lässt sich in einem Halbtag abhandeln. Wer versucht, beide vollständig zu bedienen, reist hektisch; wer eine weglässt, nimmt sich die Hälfte des Bandes. Die vorliegende Route ist unser Vorschlag, beides zu tun, ohne dass einer von beiden Teilen zu kurz kommt — mit dem Preis einer etwas längeren Rückfahrt am sechsten Tag, die wir bewusst als lange Schleife durch den Pratomagno angelegt haben, und nicht als geraden Ritt über die A1.
Das Kapitel richtet sich an Reisende, die wissen, dass die Toskana nicht in Superlativen erzählt werden muss. Wer hier war, kennt die Bilder: die Zypressenreihen, die Hügellinien, das abendliche Rot der Ziegeldächer in Pienza. Sie sind echt. Sie sind auch nur ein Teil dessen, was diese Woche hergibt. Mindestens ebenso wichtig sind die Dinge, die sich schwerer fotografieren lassen: der Geruch der Metzgerei in Panzano an einem Samstagvormittag, das Knirschen der strada bianca zwischen Pienza und Monticchiello, das Geräusch des leeren Thermenbeckens in Bagno Vignoni, wenn am frühen Morgen niemand dort ist. Ein guter Routenplan macht Platz für diese Dinge, und er macht keinen Hehl daraus, dass die toskanische Woche am Abend im Agriturismo stattfindet, nicht auf der Piazza.
Wir geben der Route sieben volle Tage, und wir empfehlen, sie nicht zu kürzen, es sei denn, es geht wirklich nicht anders. Der Wagen wartet in Peretola¹, und die erste echte Strecke beginnt nicht am Terminal, sondern am Ortsausgang von Impruneta, wo man die SS222 zum ersten Mal erkennt. Was dazwischen liegt, sind vierzig Minuten, die leicht zu einem guten Start oder zu einem hektischen Vormittag werden können — die Art, wie man sie verbringt, entscheidet über den Ton der gesamten Woche.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Peretola ist für Mietwagen-Reisende ein freundlicher Ort, wenn man die grundsätzlichen Regeln kennt. Die grossen Anbieter sitzen im Hauptgebäude, nur wenige Meter vom Gepäckband entfernt; die lokalen, kleineren Stationen arbeiten aus einem Nebengebäude auf der anderen Seite des Parkplatzes, etwa 300 Meter entfernt. Der Unterschied an der Kasse beträgt in der Regel zwischen 15 und 25 Prozent, gelegentlich mehr — vor allem bei der Kompaktklasse, wo die grossen Ketten mit sehr aggressiven Listpreisen in den Buchungssystemen auftauchen, die dann vor Ort durch Pflicht-Upgrades oder Versicherungsnachschlag relativiert werden. Wir haben beide Wege ausprobiert und bevorzugen konsequent den Weg über die lokalen Anbieter, die über Localrent vorgebucht werden können — vgl. Fussnote ¹.
Ein wiederkehrendes Muster an italienischen Flughäfen betrifft die sogenannten „kostenlosen Upgrades”. Wer ohne Vorbehalt zustimmt, landet häufig in einem Dieselfahrzeug der nächsthöheren Klasse, das zwar im Listpreis tatsächlich teurer wäre, dessen Kraftstoffkosten aber für die reine Toskana-Rundfahrt keinen Sinn ergeben — die 480 Kilometer rechtfertigen keinen Diesel, und die Rückgabe eines leeren Diesel-Tanks zum Raffineriepreis des Vermieters ist eine der unangenehmeren Erfahrungen, die man am Ende einer guten Woche noch machen kann. Unser Standardvorgehen: höflich ablehnen, beim gebuchten Wagen bleiben.
Die zweite Falle betrifft die Versicherung. Die meisten Mietverträge, die über europäische Plattformen gebucht werden, enthalten eine sogenannte „einfache Vollkasko mit Selbstbeteiligung” — gemeint sind meist 800 bis 1.500 Euro, die im Schadensfall als Kaution gesperrt werden. Für die Toskana empfehlen wir die Aufstockung auf Vollkasko ohne Selbstbeteiligung (die sogenannte „Super Casco”), weil die unbefestigten Strassen im Val d’Orcia und die engen Gassen in Siena, Montalcino und Pienza die Wahrscheinlichkeit eines kleinen Kratzers deutlich erhöhen. Die Mehrkosten liegen bei 8 bis 12 Euro pro Tag — wer ein einziges Vorher-Nachher-Foto eines Kratzers einmal gesehen hat, der zu 380 Euro abgerechnet wurde, weiss, dass sich die Aufstockung rechnet. Die Details zu diesem Thema behandeln wir an anderer Stelle; hier sei nur darauf hingewiesen, dass die Freischaltung in der Regel über Localrent selbst oder über den Zusatz des lokalen Anbieters vor Ort möglich ist (vgl. Fussnote ¹).