Einführung
Das Salzkammergut ist die kompakteste der Rundreisen in dieser Bibliothek. 260 Kilometer, fünf Tage, sieben Seen — das sind Zahlen, die jede längere Italien-Tour als geradezu ausladend erscheinen lassen. Gerade diese Dichte ist der Grund, warum das Kapitel funktioniert: Man fährt nie mehr als zwei Stunden am Stück, jede Etappe endet an einem See oder in einem Ort mit einer Wallfahrtskirche, und die Distanzen sind so kurz, dass sich Abstecher lohnen, die auf einer grossräumigeren Tour ausgelassen werden müssten. Das Salzkammergut ist eine Region für Reisende, die Geduld mit dem Gleichen haben: Jeder der sieben Seen ist ein See mit Bergen drumherum, und keiner von ihnen sieht aus wie der andere.
Das Kapitel ist ein Kreis mit Start und Ende am Flughafen Salzburg. Die Reihenfolge der Seen folgt einer geografischen Logik — erst im Westen (Fuschlsee, Wolfgangsee), dann nach Süden zum Hallstätter See und Gosausee, im Norden zurück zum Traunsee, im Westen wieder über Attersee und Mondsee zum Ausgangspunkt. Wir raten dazu, diese Reihenfolge einzuhalten, weil sie eine Dramaturgie hat: Der berühmte Ort (Hallstatt) sitzt in der Mitte des Kapitels, nicht am Anfang, und die ruhigen Seen (Atter, Mond) kommen am Ende, wenn man für sie bereit ist. Wer Hallstatt am ersten Tag einbaut, verbraucht das Kapitel sofort. Wer es am dritten einbaut, hat noch zwei Tage für das Abklingen.
Ein Wort zur Jahreszeit: Die Rundreise funktioniert von Mai bis September. Im Hochsommer (Juli, August) ist Hallstatt laut, die Parkplätze am Gosausee voll, die Uferstrassen am Wolfgang- und Mondsee dichter. Mai, Juni und September sind die klar bessere Wahl, und die Redaktion bevorzugt Anfang Juni — die Almrausch-Blüte im Dachsteingebirge beginnt dann, die Tage sind lang, das Wasser in den Seen kalt, aber erträglich, und die touristische Dichte liegt noch unter dem Sommerniveau. Der Wagen wartet in Salzburg-Maxglan¹, zehn Minuten vom Stadtkern entfernt, und die erste Etappe beginnt mit der Ausfahrt zur B158 nach Osten — dem Beginn der Linie, auf der Franz Joseph einst jeden Sommer seine Kaiservilla erreichte.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Salzburg W. A. Mozart ist klein, gut sortiert und einer der schnelleren Mietwagen-Ausgangspunkte der Alpenregion. Die Rental-Schalter liegen im Terminalgebäude, der Weg vom Gepäckband zum Schalter beträgt keine drei Minuten, und die Parkgarage mit den Fahrzeugen liegt unmittelbar angeschlossen. In der Nebensaison wartet man kaum, im Juli und August können es zehn bis fünfzehn Minuten werden — aber mehr selten.
Die wichtigste Entscheidung am Schalter betrifft die Vignette. Anders als in Slowenien oder Italien ist Österreich ein Land, in dem die Vignette traditionell am Fahrzeug klebt. Seit 2018 gibt es zusätzlich die digitale Vignette, die beim Mietwagen an das Kennzeichen gebunden wird. Die grossen Anbieter (Hertz, Avis, Europcar, Sixt) haben die Vignette in der Regel im Preis enthalten; die kleineren, lokalen Vermieter nicht immer. Wer unsicher ist, fragt direkt: „Ist die Vignette für die Mietdauer inkludiert?“ — und falls die Antwort „nein“ lautet, kauft man sie an der nächsten Tankstelle oder unterwegs online auf asfinag.at. Wer ohne Vignette auf der A1 erwischt wird, zahlt eine Ersatzmaut von 120 €; das ist deutlich teurer als die 12 €, die die 10-Tages-Vignette kostet. Vgl. Fussnote ².
Die zweite, subtilere Falle betrifft die Tauern-Maut. Für diese Rundreise ist sie nicht relevant — die Strecke führt nicht über die A10 — aber viele Vermieter haben im Vertrag eine generische „Autobahnmaut-Hinweiszeile“, die Reisende verunsichert. Die einfache Antwort: Die österreichische Vignette deckt die normale Autobahnmaut, die Tauern-Maut ist eine Sondermaut, die an Mautstellen separat erhoben wird. Für Salzburg – Hallstatt – Gmunden – Mondsee – Salzburg fällt keine Tauern-Maut an. Vor der Abfahrt Fotos vom Fahrzeug machen (vier Seiten, Dach, Innenraum, Kilometerstand), den Tankstand prüfen — und wenn alles passt, die B158 Richtung Osten nehmen und Salzburg für vier Tage hinter sich lassen.