Reisebibliothek · Ausgabe MMXXVI
Kapitel I · Die Algarve-Rundfahrt
6 Tage
Anhang · Praxisteil
Anhang

Algarve-Rundfahrt

Einführung

Sechs Tage Algarve sind für die meisten Reisenden eine zu kurze Reisezeit, und das ist bei dieser Rundfahrt kein Zufall. Die Algarve ist eine geografisch klar umrissene Region — rund 150 Kilometer Küste vom spanischen Grenzfluss Guadiana im Osten bis zum Cabo de São Vicente im Westen, und rund 50 Kilometer bis ins Hinterland nach Norden —, und sie lässt sich in weniger als einer Woche im Wagen einmal umfahren, ohne dass man hektisch wird. Wer mehr Zeit hat, verlängert gerne; wer weniger hat, kürzt die Randabschnitte. Aber sechs Tage sind der Punkt, an dem die Region in allen ihren Register erscheint: die flachen Sandküsten im Osten, die maurischen Städte im Hinterland, die Kalkfelsen der Barlavento-Küste, das Ende Europas in Sagres, und schliesslich die Berge von Monchique, die den meisten Besuchern völlig unbekannt bleiben.

Die häufigste Fehleinschätzung der Algarve ist die Annahme, sie sei eine homogene Ferienküste — eine Abfolge von Pauschalhotels, Golfplätzen und Restaurants mit Schnitzelkarte. Dieses Bild existiert, es ist nicht falsch, aber es ist geografisch eng begrenzt auf die Abschnitte rund um Albufeira, Vilamoura und den Flughafen Faro. Östlich von Olhão und westlich von Portimão verändert sich das Land. Die Küste wird flacher, die Dörfer kleiner, die Speisekarten portugiesischer, und in den Bergen von Monchique hört der organisierte Tourismus praktisch auf. Diese Rundfahrt führt bewusst durch die weniger bekannten Teile und berührt die Pauschalstrände so wenig wie möglich.

Der Wagen wartet in Faro¹, und die erste Entscheidung fällt am Ausgang des Flughafens: nicht auf die A22 auffahren, sondern über die EN125 starten. Was dazwischen liegt, ist eine Viertelstunde Zeitersparnis gegen ein wesentlich ruhigeres Ankommen, und die Rundfahrt beginnt damit in dem Tempo, in dem sie auch weitergehen soll.

§2 — Mietwagen abholen

Der Flughafen Faro liegt vier Kilometer südwestlich des Stadtkerns, direkt an der Ria Formosa. Das Terminal ist überschaubar, und die Mietwagenstationen teilen sich auf den üblichen Dualismus auf: Die grossen internationalen Ketten (Hertz, Europcar, Avis, Sixt) im Hauptgebäude direkt nach der Gepäckausgabe, die lokalen Anbieter und Localrent-Partner im Parkhaus P1 oder in einem Nebengebäude einige Meter weiter. Der Preisunterschied beträgt in der Hauptsaison zwischen 15 und 25 Prozent, und bei der Kompaktklasse ist die Differenz am deutlichsten — einige der grossen Ketten listen künstlich niedrige Listpreise, die dann vor Ort durch verpflichtende Zusatzversicherungen und Tank-Klauseln wieder ausgeglichen werden. Wir haben beide Wege mehrfach verglichen und bevorzugen den Weg über Localrent konsequent; vgl. Fussnote ¹.

Eine portugiesische Besonderheit, die für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum oft überraschend kommt, ist die elektronische Mautabwicklung. Die A22, die Küstenautobahn der Algarve, hat keine Mautstationen im klassischen Sinne — die Gebühr wird über Kameras erfasst und in der Regel automatisch mit dem Mietvermieter abgerechnet. Die meisten Anbieter bieten zwei Optionen: entweder eine Tagespauschale (typisch 2 bis 3 € pro Nutzungstag) oder eine Abrechnung nach tatsächlicher Strecke plus Bearbeitungsgebühr (die Gebühren liegen meist bei 10 bis 20 € pro Abrechnung). Wer die A22 kaum nutzen möchte, wählt die streckenbezogene Variante; wer sie häufig nutzen will, die Pauschale. Auf dieser Rundfahrt berühren wir die A22 nur an zwei kurzen Abschnitten — die Pauschale lohnt sich nicht.

Die dritte Besonderheit betrifft die Versicherung. Die Standard-Vollkasko mit Selbstbeteiligung, wie sie in den meisten Buchungssystemen voreingestellt ist, liegt bei 800 bis 1.500 Euro — diese Summe wird als Kreditkartenkaution gesperrt. Für diese Rundfahrt empfehlen wir die Aufstockung auf die „Super Casco” ohne Selbstbeteiligung. Die Strassen sind gut, aber die Parkgaragen in den Altstädten von Tavira, Lagos und Sagres sind eng, und die portugiesischen Kleinwagen-Rentals haben aus Erfahrung die höchsten Schadensquoten bei Fahrzeugen der Kompaktklasse von allen Südeuropa-Regionen (vgl. Fussnote ¹). Die Aufstockung kostet rund 8 Euro pro Tag, und sie rechnet sich.

Anmerkung zum Kapitel § Anmerkungen
  1. ¹ Mietwagen für Faro ab 24 € pro Tag bei Localrent vergleichen. Die Redaktion arbeitet seit 2023 mit Localrent; für diese Rundfahrt haben wir die Abholung in FAO sowohl vom Flughafen als auch alternativ innerhalb der Stadt geprüft. Preise, Kautionen, Versicherungen und die erlaubten Grenzübertritte lassen sich dort ohne Verschleierung nachvollziehen. Bezahlt wird die Redaktion durch eine Affiliate-Provision, die den Mietpreis für den Leser nicht erhöht. Vergleich für Faro öffnen →
  2. 2 Die A22 (Via do Infante) ist vollelektronisch und hat keine klassischen Mautstationen. Wer bei einem Mietvermieter kein Via-Verde-Gerät aktiviert, wird automatisch registriert und nachträglich belastet — meist 10 bis 20 € Gebühr zusätzlich zur tatsächlichen Maut. Die EN125 ist eine gute, oft schönere Alternative.
  3. 3 Die Benagil-Höhle ist zu Fuss nicht zugänglich — der Strand unterhalb ist nur vom Wasser aus erreichbar, und Schwimmen in der Höhle ist wegen wechselnder Strömungen nicht empfohlen. Bootstouren aus Portimão und Lagos dauern in der Regel zweieinhalb Stunden; Kajak-Verleihe in Benagil selbst bieten kürzere, individuelle Varianten.
  4. 4 Zur Versicherungsfrage bei Mietwagen in Portugal vgl. Anhang · Praxisteil, Kapitel „Mietwagen-Versicherung". Für diese Rundfahrt empfehlen wir Vollkasko ohne Selbstbeteiligung — die Strassen sind gut, aber die Parkgaragen in den Altstädten von Tavira, Lagos und Sagres sind eng.
  5. 5 Die Entscheidung zwischen Autobahn A22 und Landstrasse EN125 ist taktisch: Die A22 spart rund 45 Minuten auf der Gesamtstrecke der Rundfahrt, zeigt aber keine Ortschaft. Die EN125 ist langsamer, berührt alle wichtigen Orte der Küste und ist landschaftlich deutlich dichter.
  6. 6 Der Wind am Cabo de São Vicente ist an den meisten Tagen des Jahres deutlich stärker als an der Südküste. Wer im Juni oder September dort ist, sollte eine leichte Jacke einpacken — wer im März oder Oktober kommt, braucht mehr als das.