Einführung
Sieben Tage Nordportugal sind eine bewusste Entscheidung gegen den Süden. Wer nach Porto fliegt und nicht direkt zur Algarve weiterreist, entscheidet sich für eine Region, in der der Massentourismus noch nicht den Ton angibt, in der die Landschaft langsamer reagiert und in der die Weinberge die eigentliche Hauptfigur jedes zweiten Tages sind. Der Norden Portugals ist kleiner und kompakter, als die Karten vermuten lassen — vom Atlantik in Viana do Castelo bis ans östliche Ende des Douro bei Pinhão sind es in Luftlinie weniger als 140 Kilometer —, aber die Topografie dazwischen, die engen Flusstäler und die kurvigen Strassen, machen aus dieser überschaubaren Fläche eine Rundfahrt, die sich in sieben Tagen füllen lässt, ohne dass ein Tag hektisch werden müsste.
Das Kapitel ist als Schleife angelegt: Es beginnt und endet in Porto, und es teilt sich in drei klar unterscheidbare Abschnitte. Der erste ist die Stadt Porto selbst — ein Tag ohne Wagen, konzentriert auf die Altstadt, die Ribeira und die Portwein-Keller gegenüber in Gaia. Der zweite führt ins Minho, die grüne, feuchte Region zwischen Porto und der galicischen Grenze, mit Guimarães als „Geburtsstadt Portugals”, Braga als religiöser Hauptstadt und Viana do Castelo als Hafenstadt an der Atlantikmündung des Flusses Lima. Der dritte ist das Douro-Tal — das ältere und berühmtere, das das eigentliche Zentrum jeder Portugal-Reise durch den Norden bildet. Alle drei Abschnitte haben ihren eigenen Landschaftston, ihre eigene Küche und ihr eigenes Gewicht in der portugiesischen Geschichte.
Der Wagen wartet in Francisco Sá Carneiro¹, dem Flughafen von Porto, und die erste Fahrt geht sofort in die Stadt hinein. Was dann folgt, sind sechs Fahrtage, von denen keiner als Jagd angelegt ist. Die längste Einzeletappe — Viana do Castelo nach Peso da Régua am vierten Tag — beträgt knapp 180 Kilometer und ist damit kürzer als die Strecke Florenz–Rom. Diese Rundfahrt will keine Entfernungen abarbeiten; sie will an wenigen Orten lange genug bleiben, um sie zu verstehen.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Francisco Sá Carneiro liegt rund 15 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Porto, in der Gemeinde Maia. Er ist der zweitgrösste Flughafen Portugals nach Lissabon und in den letzten Jahren durch die starke Zunahme von Billigflügen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einer der wichtigsten Einstiegsstationen für Reisende geworden, die nicht die Algarve, sondern den Norden des Landes zum Ziel haben. Die Mietwagenstationen sind auf zwei Ebenen verteilt: Die grossen Ketten (Hertz, Europcar, Avis, Sixt, Budget) befinden sich direkt in der Ankunftshalle, die lokalen Anbieter und Localrent-Partner im Parkhaus P1 auf der gegenüberliegenden Seite des Vorplatzes — rund fünf Gehminuten mit Koffer. Der Preisunterschied zwischen beiden beträgt in der Hauptsaison zwischen 20 und 30 Prozent zugunsten der kleineren Anbieter, bei der Kompaktklasse oft noch mehr (vgl. Fussnote ¹).
Eine portugiesische Besonderheit ist die Mautabwicklung auf den Autobahnen. Auf dieser Rundfahrt nutzen wir die A3, A7, A24 und A28 — alle gebührenpflichtig und alle vollelektronisch, ohne klassische Mautstationen. Das Via-Verde-System erfasst das Kennzeichen per Kamera, und die Abrechnung läuft über den Mietvermieter mit einer Bearbeitungsgebühr, die in der Regel 10 bis 25 € pro Abrechnungsperiode beträgt. Einige Anbieter bieten eine Tagespauschale zwischen 2 und 3 € an, die sich auf dieser Rundfahrt lohnt, weil wir die Autobahnen an mindestens vier von sieben Tagen nutzen. Wir klären diese Frage am Schalter direkt und wählen konsequent die Pauschale.
Die dritte Überlegung betrifft die Versicherung. Die Standard-Vollkasko mit Selbstbeteiligung, die in den meisten Buchungssystemen voreingestellt ist, enthält einen Eigenanteil zwischen 800 und 1.500 €, der als Kaution auf der Kreditkarte gesperrt wird. Für diese Rundfahrt empfehlen wir ausdrücklich die Aufstockung auf die „Super Casco” ohne Selbstbeteiligung — nicht wegen der Autobahnen (die gut ausgebaut sind), sondern wegen der engen Altstadt-Parkgaragen in Porto und Guimarães und wegen der kurvigen Landstrassen des Douro-Tals, auf denen kleinere Rempler in den Jahren unseres Sammelns eher die Regel als die Ausnahme waren. Die Mehrkosten liegen bei rund 9 Euro pro Tag, und die Freischaltung erfolgt am Schalter oder über Localrent direkt (vgl. Fussnote ¹).