Einführung
Die Schweizer Rundreise ist das teuerste Kapitel dieser Bibliothek, und es wäre unehrlich, dieses Kapitel ohne einen Hinweis auf die Kosten beginnen zu lassen. Sieben Tage in der Schweiz mit Mietwagen, Übernachtungen und einem gelegentlichen Ausflug auf die Jungfraujoch-Bahn summieren sich für ein Paar auf 1.800 bis 2.900 Euro, je nach Saison, Unterkunftsklasse und Entscheidung über die teureren Bahnfahrten. Wer das gleiche Geld in Portugal oder Slowenien ausgibt, fährt zwei Wochen. Die Frage, ob sich diese Rundreise lohnt, ist deshalb nicht banal, und sie hat eine ehrliche Antwort: Sie lohnt sich dann, wenn man bewusst einmal die Alpenkernstrecke fahren will — drei der berühmtesten Pässe Europas an einem Stück, vom Berner Oberland durchs Wallis ins Tessin und zurück über den Gotthard. Wer nur einen davon will, fährt besser einen Tag aus Italien oder Österreich hinüber. Wer alle drei will und bereit ist, den Preis dafür zu zahlen, ist hier richtig.
Das Kapitel ist ein Kreis mit Start und Ende am Flughafen Zürich Kloten. 620 Kilometer, sieben Tage, drei grosse Pässe (Grimsel, Furka, Gotthard), ein grosser Tunnel (Gotthard-Strasse) und zwei Sprachen in einem Land — das ist die Bilanz. Die Reihenfolge der Etappen hat eine dramaturgische Logik: erst die urbane Einführung (Zürich, Luzern), dann der Ruhetag in der Jungfrauregion, dann die drei Pässe in schneller Folge, der Sprachwechsel ins Tessin, ein zweiter Ruhetag im Süden, und die Rückkehr über den Gotthard-Tunnel zum Vierwaldstättersee. Jede Etappe hat ihren eigenen Charakter, und keine wiederholt eine andere.
Ein Wort zur Saison: Die Pässe sind von Mitte Juni bis Mitte Oktober zuverlässig offen, und in diesem Zeitraum liegt die Hauptsaison der Schweizer Hotels. Juli und August sind die klassischen Fenster, September ist ruhiger und landschaftlich oft eindrücklicher (die ersten gelben Lärchen auf den Pässen), Juni ist grüner, aber mit kälteren Passhöhen und längeren Tagen. Vor Mitte Juni oder nach Anfang Oktober sind die Pässe nicht verlässlich passierbar, und die Rundreise verliert ihre Struktur. Der Wagen wartet in Kloten¹, und die erste Etappe beginnt bewusst langsam — denn die Pässe kommen erst am dritten Tag, und wer sich bis dahin nicht an den Wagen und an die Höhenlinien der Schweizer Alpen gewöhnt hat, hat auf Grimsel und Furka ein Problem.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Zürich Kloten ist der grösste Mietwagen-Hub der Schweiz und einer der am besten organisierten Europas. Die Rental-Schalter liegen im Parking 2 über einer kurzen Unterführung vom Terminal aus, der Weg ist klar beschildert und vom Gepäckband in etwa zehn Minuten zu schaffen. Alle grossen Anbieter sind vertreten, dazu eine Auswahl kleinerer Stationen. Im Juli und August kann der Andrang zu Wartezeiten von fünfzehn bis dreissig Minuten führen; im Mai/Juni/September ist der Vorgang in zehn Minuten erledigt.
Die wichtigste Entscheidung am Schalter betrifft die Fahrzeugklasse, und für diese Rundreise ist die Antwort eindeutig: Mittelklasse, keine kleinere. Ein Kompaktwagen ist auf dem Grimsel und besonders auf der Furka-Nordrampe auf den steileren Abschnitten spürbar unterfordert, und bei zwei Insassen mit Koffern für eine Woche wird das Beschleunigungsverhalten an den Kehren zur Zumutung für den nachfolgenden Verkehr. Ein Skoda Octavia, VW Golf, Ford Focus oder vergleichbare Mittelklasse-Fahrzeuge sind die richtige Wahl. Wer ein grösseres Fahrzeug (Kombi, SUV) wählt, zahlt die Schweizer Aufpreise für jeden Tag — die Differenz zwischen Kompakt und Mittelklasse beträgt typischerweise 10 – 15 € pro Tag, die zwischen Mittelklasse und SUV weitere 15 – 25 € pro Tag. Wir empfehlen die Mittelklasse ohne Zusatz.
Zur Vignette: Bei Schweizer Anbietern ist die Jahresvignette in der Regel im Preis enthalten. Bei der Abholung schauen, ob das Pickerl auf der Windschutzscheibe klebt — wenn nicht, explizit nachfragen. Die Vignette ist ein Kalenderjahres-Kleber; es gibt keine Kurzzeit-Varianten, und ein Mietwagen ohne Vignette an den zentralen Autobahnabschnitten ist ein Bussgeld-Risiko, das niemand braucht (vgl. Fussnote ²). Zur Versicherung: Wir empfehlen für diese Rundreise Vollkasko ohne Selbstbeteiligung (Super Casco), schon wegen der Passstrassen und der engen Kehren, bei denen ein Felsabrieb oder ein Spiegelschaden schnell passiert. Die Mehrkosten liegen bei rund 15 – 20 € pro Tag in der Schweiz — spürbar, aber sinnvoll. Vor der Abfahrt: Fotos des Fahrzeugs (vier Seiten, Dach, Innenraum), Tankstand, Kilometerstand. Die Routine des ersten Tages, die sich bei jedem der Schweizer Pässe bezahlt macht (vgl. Fussnote ¹).