Reisebibliothek · Ausgabe MMXXVI
Kapitel I · Julische Alpen & Küste
5 Tage
Anhang · Praxisteil
Anhang

Julische Alpen & Küste

Einführung

Slowenien ist das kleinste Land in dieser Bibliothek, und gerade deshalb verdient es ein eigenes Kapitel. Die üblichen Routenplaner-Instinkte verführen dazu, das Land als Durchgangsstation zu behandeln — ein halber Tag in Ljubljana, eine Nacht in Bled, dann weiter nach Kroatien oder Österreich. Wir haben das mehrmals selbst gemacht und jedes Mal das Gefühl gehabt, etwas abgeschnitten zu haben. Das vorliegende Kapitel ist die Korrektur: fünf Tage, die ausreichen, um die beiden sehr unterschiedlichen Gesichter Sloweniens zu sehen — die Julischen Alpen im Nordwesten und die winzige Küste an der oberen Adria — und dabei einen Gebirgspass zu fahren, der zu den schönsten seiner Art zwischen Tirol und dem Balkan gehört.

Die Route ist ein Kreis mit Start und Ende am Flughafen Ljubljana Jože Pučnik. 380 Kilometer, ein Anstieg bis auf 1 611 m, ein Abstieg bis ans Meer, eine der grösseren Schauhöhlen Europas und eine venezianische Altstadt an der slowenischen Adria — das ist die Bilanz. Das Kapitel richtet sich an Reisende, die Slowenien ernst nehmen wollen, ohne es zu überfordern: Wir lassen die Styrische Weinstrasse im Osten weg, wir lassen das Savinja-Tal weg, wir konzentrieren uns auf die zwei Landschaften, die den grössten Kontrast bieten. Wer nach fünf Tagen wiederkommt, hat Material für die nächsten zwei Rundreisen.

Ein Wort zur Sprache und zur Infrastruktur: Slowenien gehört zum Euroraum und zur EU. Die Autobahnen sind in sehr gutem Zustand, vignettenpflichtig (siehe Anmerkungen), die Landstrassen in den Alpen teilweise schmal, aber durchgehend asphaltiert. Englisch wird im Tourismus fast überall verstanden, Deutsch an vielen Stellen — vor allem in Bled, Bohinj und im Soča-Tal, wo österreichische Nachbarschaft historisch gewachsen ist. Der Wagen wartet in Brnik¹, etwa 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, und die erste echte Strecke beginnt nicht am Terminal, sondern an der Auffahrt zur A2 Richtung Jesenice.

§2 — Mietwagen abholen

Der Flughafen Ljubljana Jože Pučnik in Brnik ist klein, übersichtlich und für Mietwagen-Reisende einer der angenehmeren Ausgangspunkte in Mitteleuropa. Alle grossen Anbieter sind vertreten, daneben eine Reihe lokaler Stationen, die über Localrent gebucht werden können. Das Terminal ist so kompakt, dass der Weg vom Gepäckband zum Rental-Schalter kaum mehr als fünf Minuten beträgt. In der Nebensaison wartet man an der Ausgabe selten länger als zehn Minuten, im Juli und August können es dreissig werden — aber das bleibt die Ausnahme.

Die wichtigste Entscheidung am Schalter betrifft die Vignette. Die meisten grösseren Anbieter haben die e-Vinjeta bereits im Preis enthalten; die kleineren Vermieter tun dies oft nicht und verweisen auf die nächste Tankstelle. Wer sicher gehen will, fragt explizit: „Ist die slowenische Vignette im Mietpreis enthalten?“ — und bei der Antwort „nein“ besser direkt ein paar Euro dazurechnen und die Wochenvignette noch vor der ersten Autobahnauffahrt kaufen (vgl. Fussnote ²). Das System läuft seit 2022 digital und wird beim Kauf an das Kennzeichen gebunden; eine Klebefläche am Scheibenrand gibt es nicht mehr.

Die zweite Entscheidung betrifft die Fahrzeugklasse. Für diese Rundreise reicht ein Kompaktwagen — ein Škoda Fabia, VW Polo oder Opel Corsa sind typische Klassen. Der Vršič-Pass ist kein Offroad-Abschnitt, sondern eine gut ausgebaute Passstrasse; ein grösseres Fahrzeug gewinnt nichts und verliert Platz in den engen Kehren. Wer zu viert reist und viel Gepäck hat, wählt die Kompaktklasse mit Kombiheck (Škoda Octavia Combi oder ähnlich), aber mehr braucht es nicht. Vor der Abfahrt: Fotos vom Fahrzeug, Tankstand, Kilometerstand — die Routine, die an jedem Flughafen gilt, gilt auch in Brnik.

Anmerkung zum Kapitel § Anmerkungen
  1. ¹ Mietwagen für Ljubljana ab 29 € pro Tag bei Localrent vergleichen. Die Redaktion arbeitet seit 2023 mit Localrent; für diese Rundfahrt haben wir die Abholung in LJU sowohl vom Flughafen als auch alternativ innerhalb der Stadt geprüft. Preise, Kautionen, Versicherungen und die erlaubten Grenzübertritte lassen sich dort ohne Verschleierung nachvollziehen. Bezahlt wird die Redaktion durch eine Affiliate-Provision, die den Mietpreis für den Leser nicht erhöht. Vergleich für Ljubljana öffnen →
  2. 2 Zur slowenischen e-Vinjeta und den Preisklassen für Pkw und Wohnmobile vgl. Anhang · Praxisteil, Abschnitt „Vignetten und Maut in Mitteleuropa“. Die Wochenvignette reicht für dieses Kapitel in jedem Fall aus.
  3. 3 Die Postojna-Höhle lässt sich nur in Führungen besichtigen, Einzelbesuche sind nicht möglich. Online-Tickets über postojnska-jama.eu; im Juli und August dringend empfohlen, im Mai und September meist auch vor Ort erhältlich.
  4. 4 Zur Versicherungsfrage für Gebirgspässe vgl. Anhang · Praxisteil, Kapitel „Mietwagen-Versicherung“. Der Vršič-Pass ist für jede Vollkasko-Police unproblematisch; Schäden durch Steinschlag auf Passstrassen sind gedeckt, Ausschlussklauseln beziehen sich normalerweise nur auf unbefestigte Wege.
  5. 5 „Fahrzeit netto“ in den Etappen meint die reine Fahrtdauer ohne Halte. Der Vršič-Pass mit zwei Stunden netto ist gemessen, wenn man die Kehren zügig fährt; wer an jedem Aussichtspunkt hält, braucht drei.
  6. 6 Die Erwähnung der venezianischen Architektur Pirans ist keine Übertreibung. Die Stadt gehörte von 1283 bis 1797 zur Republik Venedig und übernahm Sprache, Bauweise und städtische Ordnung von dort. Das Italienische ist bis heute zweite Amtssprache im Küstenstreifen.