Einführung
Sieben Tage Baskenland und Rioja sind eine bewusste Entscheidung gegen die übliche Spanien-Route. Wer im Mai nach Bilbao fliegt, wird in den Wochen davor von Freunden, Kollegen und dem eigenen inneren Trägheitsprinzip immer wieder die Frage hören, ob es nicht Andalusien oder Mallorca sein sollte. Die ehrliche Antwort ist: Das Baskenland ist nicht die lautere Region, es hat nicht die klassischen Bilderbuch-Motive, und es garantiert kein Wetter. Was es hat, ist eine kulturelle Eigenständigkeit, die sich in jeder Bar, jeder Speisekarte und jedem Strassenschild niederschlägt — und eine Küche, die in den letzten dreissig Jahren stiller zur einflussreichsten Spaniens geworden ist. Die Rioja direkt nebenan fügt dem Ganzen das hinzu, was die baskische Küche als Begleitung braucht: einen Wein, der seit über hundert Jahren in denselben Fässern reift, in einem Halbkreis aus Weingütern, die man an einem Vormittag abgehen kann.
Das Kapitel ist als Schleife angelegt. Es beginnt und endet in Bilbao, und es zerfällt in drei klar unterscheidbare Abschnitte: die baskische Atlantikküste von Bilbao bis San Sebastián, der Sprung ins navarrische Hinterland nach Pamplona und Olite, und die Rückkehr über Logroño und Haro durch die Rioja Alta zur Biskaya. Jeder Abschnitt hat seinen eigenen Landschaftston, seine eigene Küche und seine eigene Temperatur — im Wortsinn: Zwischen dem feuchten Grün der baskischen Küste und den trockenen Hügeln um Pamplona liegen oft acht Grad Unterschied in derselben Mittagsstunde.
Der Wagen wartet in Loiu¹, wie der Flughafen offiziell heisst, und die erste Fahrt ist kurz. Was dann folgt, sind sechs Fahrtage, von denen keiner länger als 130 Kilometer Netto-Strecke enthält — diese Rundfahrt ist bewusst nicht als Jagd angelegt. Wer in der Rioja verkostet, soll fahren können; wer in San Sebastián Pintxos isst, soll nicht am nächsten Morgen in einen Berg fahren müssen.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Bilbao — offiziell Aeropuerto de Bilbao, auf Baskisch Bilboko aireportua — liegt zwölf Kilometer nördlich des Stadtzentrums, in der Gemeinde Loiu. Das Terminal ist klein, übersichtlich und seit dem Umbau von 2000 ein ästhetisch eigenständiges Gebäude von Santiago Calatrava — der Spitzname „La Paloma” (die Taube) ist in den letzten Jahren offiziell geworden. Die Mietwagenstationen teilen sich wie üblich in zwei Ebenen: Die grossen Ketten (Hertz, Europcar, Avis, Sixt) im Erdgeschoss des Terminals, die lokalen Anbieter und Localrent-Partner im Parkhaus P1, rund 150 Meter hinter dem Ausgang. Der Preisunterschied zwischen beiden liegt in der Hauptsaison bei 15 bis 25 Prozent, zugunsten der kleineren Stationen; vgl. Fussnote ¹.
Die zweite Entscheidung am Schalter betrifft die Versicherung. Die Standardvollkasko, wie sie in den meisten Buchungssystemen voreingestellt ist, enthält eine Selbstbeteiligung zwischen 800 und 1.500 Euro, die als Kaution auf der Kreditkarte gesperrt wird. Wir empfehlen für diese Rundfahrt ausdrücklich die Aufstockung auf die spanische „Cobertura Total” ohne Selbstbeteiligung — nicht wegen der Überlandstrecken, die durchweg gut ausgebaut sind, sondern wegen der engen städtischen Parkgaragen in Bilbao, San Sebastián und Pamplona. Die Mehrkosten liegen bei rund 8 Euro pro Tag, und die Entscheidung zahlt sich in der Regel schon beim ersten Rempler in einer unterirdischen Hotelgarage aus. Die Freischaltung erfolgt am Schalter direkt oder im Voraus über Localrent (vgl. Fussnote ¹).
Eine dritte, speziell baskische Besonderheit ist die Navigation entlang der Küstenstrasse. Die meisten Systeme schlagen für die Strecke Bilbao–San Sebastián automatisch die Autobahn A-8 vor, weil sie schneller ist — 55 Minuten statt 2 Stunden 15. Wer die N-634 bevorzugt, muss die Route im Navigationssystem manuell erzwingen oder an den ersten beiden Abfahrten nach Bilbao konsequent „A-8 vermeiden” wählen. Die dafür investierten fünf Sekunden am Anfang ersparen den dauerhaften Kampf mit dem Gerät, das während der ganzen Strecke versucht, einen wieder auf die Maut-Autobahn zurückzuleiten.