Einführung
Die lykische Küste ist die erste Rundreise dieser Bibliothek, die nicht mit dem eigenen Wagen aus DACH erreichbar ist. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein strukturelles Merkmal: Die Türkei liegt zu weit entfernt für eine sinnvolle Autoanreise, und jeder Versuch, die Strecke über den Balkan zu fahren, verlängert den Urlaub um eine Woche reine Hin- und Rückreise. Dieses Kapitel ist deshalb ein Fly-and-Rent-Kapitel — man fliegt nach Antalya, übernimmt den Wagen am Flughafen, fährt die Rundreise, gibt den Wagen zurück und fliegt heim. Das ist eine andere Form des Reisens als die Europa-Rundfahrten weiter vorne im Band, und sie verlangt eine etwas andere Planung.
Der Vorteil dieser Planung liegt in der Kombination aus günstigem Flug, günstigem lokalen Mietwagen und niedrigen Vor-Ort-Kosten. Die Türkei ist eines der preiswertesten Reiseländer am Mittelmeer, und die lykische Küste ist trotz ihrer kulturhistorischen Dichte deutlich günstiger als die italienische oder kroatische Adria. Ein Paar kann diese Rundreise inklusive Flug, Mietwagen, Unterkünften, Eintritten und Essen für rund 1.200 – 1.500 € fahren — Flugtickets ab 150 € pro Person nicht eingerechnet, aber die kommen obenauf. Der Nachteil: Das Kapitel verlangt mehr vom Fahrer als die meisten anderen — die D400 ist voll, die türkische Fahrweise direkter, und die Radarkontrollen sind dicht. Wer langsam fährt, hat kein Problem; wer die Küstenstrasse als Rennstrecke missversteht, bekommt am Ende der Reise Post.
Die Route ist ein Kreis mit Start und Ende in Antalya. 620 Kilometer, sieben Tage, vier bedeutende archäologische Stätten (Phaselis, Myra/Demre, Xanthos/Letoon, Patara), zwei natürliche Höhepunkte (Saklıkent-Schlucht und Ölüdeniz) und eine Bootsfahrt nach Kekova. Wir haben die Rundreise bewusst kompakt gehalten: Wer mehr als sieben Tage hat, hängt die Alternative „länger“ an und fährt bis Bodrum; wer weniger hat, verzichtet auf den nördlichen Bogen. Der Wagen wartet am Flughafen Antalya¹, und die erste Etappe beginnt auf der D400 nach Westen — der einzigen Strasse, die an dieser Küste für den ersten Tag infrage kommt.
§2 — Mietwagen abholen
Der Flughafen Antalya ist der zweitgrösste Flughafen der Türkei und einer der am besten für Tourismus organisierten. Zwei Terminals, Terminal 1 für internationale Flüge, Terminal 2 für Inlandsflüge — die meisten DACH-Reisenden kommen in Terminal 1 an. Die Rental-Schalter liegen auf der Ankunftsebene, nach der Gepäckausgabe in einem ausgeschilderten Bereich. Die grossen internationalen Anbieter (Avis, Hertz, Europcar, Sixt) sind vertreten, daneben eine Reihe lokaler türkischer Anbieter, die über Localrent gebucht werden können und in der Regel günstiger sind.
Die wichtigste Entscheidung am Schalter betrifft nicht die Fahrzeugklasse (Kompakt reicht für diese Rundreise), sondern die Art des Vermieters. Die grossen internationalen Ketten haben gut etablierte Abläufe, aber ihre Listpreise sind spürbar höher als die der lokalen Anbieter. Die lokalen türkischen Vermieter (oft mit weniger bekannten Namen wie „Alamo Turkey“, „Green Motion Turkey“, „Drive Car Rental“) arbeiten über Localrent und ähnliche Plattformen, haben typischerweise neuere Fahrzeuge (die türkische Fahrzeugflotte ist jung), und die Preise beginnen bei rund 23 € pro Tag für einen Kompakten mit voller Versicherung — das ist weniger als die Hälfte der Preise in Italien oder Frankreich. Wir haben bei beiden Varianten positive Erfahrungen gemacht; die lokalen Anbieter sind günstiger und ähnlich zuverlässig, die internationalen Anbieter bequemer, wenn es um englischsprachige Dokumentation und die übliche Kautions-Handhabung geht.
Eine Besonderheit des türkischen Mietwagen-Marktes: Die Kautionssumme wird typischerweise mit einer Autorisierung auf der Kreditkarte gesperrt, nicht tatsächlich abgebucht. Das bedeutet, dass der gesperrte Betrag nach der Rückgabe innerhalb von einigen Tagen wieder freigegeben wird — aber manche Kartenanbieter zeigen die Sperre trotzdem als „Belastung“ in der App. Wer darauf achtet, sollte den Sperrbetrag mental als blockiert einplanen. Die Versicherungsfrage ist wichtig: Grundsätzlich empfehlen wir Vollkasko ohne Selbstbeteiligung (Super Casco), was beim Buchen über Localrent meist für einen kleinen Aufpreis möglich ist. Vor der Abfahrt Fotos vom Fahrzeug machen, den Tankstand prüfen, und dann aus dem Flughafen-Parkhaus auf die D400 Richtung Westen (Kemer, Olympos) — die erste Strecke dieses Kapitels. Vgl. Fussnote ².